Diverse Life Beyond Mars – David Bowie Covered

David Bowie ist der Peter Pan der Popmusik, der allen Jaggers und Richards dieser Welt als lebender Beweis dienen könnte, dass das Erreichen des Rentenalters nicht notwendig mit trotzigen Juvenilitätsgesten und »Seht her, wir können noch rocken«-Attitüden einhergehen muss.

    Die zwölf Künstler, die sich hier vor dem mittlerweile 61-jährigen Pop-Chamäleon verneigen, verfolgen in ihrer Mehrheit elektronische Interpretationsansätze. Das eröffnende Indiepop-Trio Au Revoir Simone bezaubert mit einer melancholischen Version von »Oh! You Pretty Things«. Das vom Album »Hunky Dory« stammende Stück ist ein herrlicher Abgesang auf den alten Menschen im Geiste einer recht eigenwilligen Rezeption des Nietzscheschen Übermenschengedankens. Die drei Brooklynerinnen setzen es mit seufzenden Orgeln, warmen Fender-Rhodes-Sounds und dem gewohnt charmant dilettierenden Mädchengesang so innovativ wie geschmackssicher in Szene.

    Das schließende skandinavische Jazz-Trio The Thing entwirft mit dem Sound trostlos vor sich hin rollender Giftmüllfässer und schnitzeljagdartig verstreuten Melodiefragmenten die Vision eines »Life On Mars«, dessen Vertretern man lieber nicht begegnen möchte.

 

Diverse – Life Beyond Mars – David Bowie Covered (Rapster Records / !K7 Records / RTD)

    Dazwischen aber ist sehr viel Raum für euphorisierende elektronische Tanzmusik. Am besten gefällt dabei die von Heartbreak beim Cover von »Loving The Alien« gebotene Spielart von Italo-Disco, einem Genre, das – wie im Falle von Savage oder Mr. Flagio – eigentlich dann am meisten Spaß macht, wenn es die Grenzen zum Euro-Wave überschreitet. Bei Heartbreak klingt das, als würde Fancy im Jahr 1985 ein Chris And Cosey-Stück produzieren, bei dem Mike Batt für den Gesang zuständig ist. Kelley Polar baut in seiner discohedonistischen »Magic Dance«-Version die Italienanklänge noch aus, indem er gesungenes Crash-Kurs-Italienisch im Refrain mit entmenscht-maschinisierten The Human League-Stimmen kombiniert. Dazu pluckern die synthetischen Klangperser zu einem Beat, der an schönste Bobby Orlando-Zeiten erinnert.

    Ferner sind Carl Craig, Matthew Dear, Joakim und Richard Walters & Faultline maßgeblich am Gelingen dieser durch Originalität und Durchhörbarkeit bestechenden Compilation beteiligt. Wenn sie es schafft, Bowie neue Freunde aus den Reihen der Laptop-Generation zu gewinnen, hätte sie zudem musikhistorische Grundlagenarbeit verrichtet.

LABEL: Rapster

VERTRIEB: RTD

VÖ: 27.06.2008

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