Mit 46 Jahren stirbt überraschend Nils Koppruch. Auf der Box A Tribute to Nils Koppruch + Fink verbeugen sich nun zahlreiche Künstler vor dem Hamburger Singer-Songwriter

Natürlich kann das hier keine normale Rezension werden. Dafür ist alles noch viel zu nahe. Dieser verdammte Morgen im Oktober 2012. Ich war früh aufgestanden. Um acht kam der erste Anruf: »Kann es sein, dass irgendwas mit Nils Koppruch nicht stimmt? Leute posten komisches Zeug auf Facebook.«

Keine Ahnung.
Ich check mal.
Scheiße!
Stimmt.

Auch wenn wir es nicht begreifen konnten und immer noch nicht begreifen können. Erst wenige Wochen vorher hatten wir zusammen zu Abend gegessen. Nils Koppruch, dieser wahnsinnig herzliche, begabte Mensch hatte große Pläne geäußert, er schien sehr zufrieden zu sein, war hochmotiviert und ansteckend optimistisch. Die Konzerte, die er mit Gisbert zu Knyphausen und der gemeinsamen neuen Band Kid Kopphausen spielte, machten ihm Spaß. Und dann war er plötzlich tot. Mit gerade 46 Jahren und ohne dass man so richtig wusste, warum. Es wurde viel telefoniert an diesem Tag. Am Ende stimmte es immer noch.

Insofern also keine »normale« Rezension und auch keine Distanz zum Künstler. Freunde und Wegbegleiter von Nils haben versucht, das Unbegreifliche irgendwie zu übersetzen. Und so erscheinen knapp zwei Jahre nach seinem Tod eine umfangreiche Box mit den Arbeiten von Fink und Koppruch solo sowie eine Hommage mit Interpretationen einiger seiner besten Songs. Zusammen mit den bei Grand Hotel van Cleef kürzlich neu aufgelegten Koppruch-Soloalben Den Teufel tun und Caruso haben wir es mit der umfangreichen Werkschau des Mannes zu tun, der wie kein anderer Americana für das Deutsche adaptierte – und deshalb zu Zeiten der sogenannten Hamburger Schule irgendwie immer ein bisschen zwischen allen Stühlen saß. Weshalb seine Band Fink nie so groß geworden ist, wie sie es verdammt noch mal verdient hätte.

Fink traten mit den Jayhawks auf und mit 16 Horsepower, und tatsächlich war das genau die Liga, in die diese Musik gehörte. Nur dass sie eben aus Deutschland kam und deutsche Beobachtungen verhandelte: Die lakonische Art und Weise zu texten, das großstadtverhaftete, pathosfreie, nüchterne und doch tief emotionale Element in den Texten Koppruchs beherrscht in diesem Land sonst nur noch Sven Regener in dieser Vollendung. Regener ist vielleicht auch der einzige, den man auf der Hommage vermisst. Sonst sind die meisten dabei: alte Weggefährten wie Peter Lohmeyer, Andreas Voss von Fink mit seiner Zweitband Halma, Knarf Relloem sowie Kettcar, Olli Schulz, Francesco Wilking, Wiglaf Droste und zahlreiche andere. Ihnen gelingen wunderbare, teilweise sehr eigene Variationen. Neben Click Click Decker erinnern insbesondere Bernadette La Hengst mit »Vielleicht«, Niels Frevert mit »Als einmal einer nicht kam« und die Fehlfarben mit »Heimweh« daran, wie weit der musikalische Entwurf Finks letztlich über Alt-Country hinauswies.

Am berührendsten aber ist der treue Gefährte Gisbert zu Knyphausen: »Die Reise geht nur hin und nicht mehr zurück / Wir müssen von da weiter, wo wir sind«, singt er am Ende des Albums. Es sind Zeilen aus dem Fink-Song »Durchreise«. Als Nils Koppruch sie 2005 schrieb, konnte er nicht ahnen, dass sie einst zu einem Requiem auf ihn selbst werden würden.