Dirty Projectors „Lamp Lit Prose“ / Review

Lamp Lit Prose ist das erste Gude-Laune-Album von Dirty Projectors, ein Lobgesang auf die monogame Liebe und das Konzept der Seelenverwandtschaft.

Wenigstens David Longstreth geht es wieder gut. Während um ihn herum die Welt explodiert wie das Feuerwerksfachgeschäft aus Die nackte Kanone, hat sich das letzte verbliebene Mitglied der Dirty Projectors gesund gesungen. Zuletzt ging es vor anderthalb Jahren auf einem unbetitelten Album um das Ende seiner romantischen und künstlerischen Beziehung zur Ex-DP-Gefährtin Amber Coffman. Dirty Projectors war umwerfend komponiert, ein neuer Spielplatz für Longstreths Kopfmusik und -stimme, ausgestattet mit Robo-R’n’B-, Sad-Boi-Rap- und Bekenner-Folk-Gerätschaften. Es war aber auch schwer gekränkt: eine Studie des eigenen Künstlergeistes, der sich in seiner Verzweiflung hilfesuchend an Drake wandte, den traurigen König aller Geschassten und Alleingelassenen.

Yolo für Yale-Typen.

Liam Gallagher würde nun sagen: Auf Regen folgt Sonnenschein. Longstreth sagt ungefähr: Heiße Regentropfen verbrühten meine Seele, doch dann durchbrachen erste Sonnenstrahlen einer neuen Liebe die Wolkendecke über meinem Herzen. Kommt ja aufs Gleiche raus. Lamp Lit Prose ist jedenfalls das erste Gude-Laune-Album von Dirty Projectors, ein Lobgesang auf die monogame Liebe und das Konzept der Seelenverwandtschaft. Nur mit nochmals verfeinerter Komponisten- und Arrangeurskunst kann Longstreth auf seinem achten Album natürlich niemanden mehr schocken – weshalb er es mit seiner eigenen Version von Steilgehen versucht. Allein schon „Break-Thru“, die erste Single: Ein Song, der seine Zuhörer mit selbstverliebter High-Life-Gitarre und Ultravergnügungsfalsett regelrecht in die Knie zwingt. Lamp Lit Prose ist keine Anleitung zum Glücklichsein, was ja auch komplett panne wäre. Es ist ein Befehl.

Diese Bestimmtheit tut der Sache gut: Es gibt Momente auf der Platte, in denen Longstreths Enthusiasmus für ulkig angeeignete Jugendsprache aus dem Jahr 2012 ansteckend ist. Hören Sie doch mal den mehrstimmigen Gesang in „What Is The Time“! Trotz einer Diskografie voller Konzeptanstrengungen ist Lamp Lit Prose aber auch das erste Dirty-Projectors-Album, das wirklich nervt. Ein paar Mal klingt Longstreth, als habe er den eierköpfigsten Junggesellenabschied aller Zeiten soundtracken wollen. Dann ist Lamp Lit Prose Yolo für Yale-Typen und nur noch schwer zu ertragen.

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