Digits

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»Ich war nicht frustriert, ich wollte nur mehr von der Welt sehen.« Alt Altman aus Toronto hat es vor Kurzem ebenfalls nach Berlin verschlagen. Über den Umweg London (»Zu teuer! Überall schlechtes Essen!«) hat der Kanadier mit dem schwer nerdigen Musikernamen Digits (Ziffern) nach Deutschland gefunden. »In Europa sind meine Möglichkeiten größer. Kanada ist riesig, es ist schwer dort zu touren.« Die Weite des Landes hallt dennoch in seinen Liedern nach.

   Als Digits macht Altman klugen, oftmals melancholischen Electro-Synthpop, der seine Emotionalität jedoch weniger aus gerade überall angesagten guilty-pleasure-turned-cool-again R 'n' B-Anleihen speist, sondern vielmehr aus House und Techno, die hinter den oftmals astreinen Popsongs hindurchschimmern, final abgedeckt von einer hypnagogischen Verhuschtheitsfolie. Mini-Hits wie »Pale Green Morning«, »Where Do You Belong?« oder »Lost Dream« werden so zum Soundtrack für regennasse nächtliche Straßen; mal im innerstädtischen Neonlicht, mal transit zwischen zwei Metropolen. Ramona Gonzalez von Nite Jewel wurde da sicherlich gerne als Remixerin (von »Because It's Wrong«) tätig.

   Theo Parrish und ABBA finden hier gleichermaßen Alts Anerkennung, der in einer musikalischen Familie aufwuchs, in der Schule das professionelle Spielen lernte und sich dann einigen Bands anschloss bis Owen Pallett kam. »Als Final Fantasy hat er mich sehr inspiriert und mir gezeigt, dass man als Ein-Mann-Band ein ganzes Konzert aufziehen kann – und nicht bloß eine Karaoke-Show abziehen«, erklärt der faszinierte Landsmann warum er nach der letzten Bandtrennung plötzlich solo weitermachte. (Mittlerweile spielt er auch in Bad Passion.)

   Zwischen Herzschmerz, Club und Identitätssuche wird bei Digits aber auch politisches adressiert. So fand sich der zuletzt wiedergewählte kanadische Premierminister Stepehn Harper im Stück »Smooth Liar« wieder. »Die Situation unter ihm ist recht dramatisch, vergleichbar mit der Bush-Administration«, schildert der Expat Alt. »Organisationen wie jene der Klimaforscher im Polareis werden Gelder entzogen, gleichzeitig die Erdölindustrie hofiert. Dass Kanada in der Krise noch relativ gut darsteht, ist eher den mitte-linken Vorgängerregierungen anzurechnen.«

   Gerade arbeitet er allerdings an seiner »Berlin-Platte«. Komplett hier geschrieben, soll sie (natürlich) rein elektronisch sein, tanzbarer. Und das obwohl Alt die lokale Clubszene bisher eher gemieden hat. Dennoch: »Ich versuche meine Songs als DJ zu verstehen. Was soll als nächstes kommen? Was passt zusammen? Ich will interessant sein – und nicht langweilig.« Das gelingt ihm bislang sehr gut.

   Heute Abend tritt er zunächst erstmals solo in seiner Wahlheimat beim von SPEX präsentierten Torstraßen Festival (mit u.a. Touchy Mob, Die Orsons, D E N A, UMA, Norman Palm, Dent May) auf.

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Digits live
01.09. Berlin Torstraßen Festival SPEX präsentiert

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