Digitalism

Was hören eigentlich Jens »Jence« Moelle und Ismail »Isi« Tuefekci, wenn sie nicht gerade an neuen Tracks für Digitalism arbeiten? Für das auch in modischen Belangen geschmackssichere Pariser Label Kitsuné öffneten sie dankenswerterweise ihre Plattenschränke, um auf dem Mix-Album »Tabloid« ihren stilistisch unterschiedlichen Einflüssen oder einfach nur ihren Lieblingshits ein munteres Stelldichein zu gönnen. Durchhörbarkeit gilt dabei selbstredend als hohe Kunst des DJings und nicht als Vorwurf, wie man ihn etwa den musikalisch gleichgeschalteten Formatradios an den Kopf werfen möchte. Und fluffiger als das vermeintlich Beste der 80er, 90er und von heute ist das allemal, was die beiden Digitalisten da zusammengestellt haben: Von House und Funk über Techno und New Rave geht die Reise direkt zur Schnittstelle zwischen Dub und Electropop, immer auf der Suche nach dem nächsten rockenden Beat, der im Club der Tanzfläche ihren Sinn verleiht.

    Naturgemäß dürfen dabei der vielbeschäftigte, derzeit den Teufel von sich schüttelnde Antony Hegarty mit Hercules And Love Affair oder Hot Chip mit »Shake a Fist« nicht fehlen. Dass allerdings auch die B-52’s mit dem CSS-Remix von »Funplex« vertreten sind und sich selbst die Kills mit »Cheep and Cheerful« ins fugenlose Sounddesign integrieren, dürfte da schon überraschender sein. Wiegt dieser Song einen gerade noch in Sicherheit, geht es mit »Dance in Dark« von Proxy aus Moskau direkt danach schon heftiger weiter.

    Zwischendurch und zum Abschluss gibt es – was soll die falsche Bescheidenheit – auch Stücke der beiden Meister aus Hamburg selbst zu hören, die auf ihrer MySpace-Seite übrigens kürzlich einen Remix-Wettbewerb zum neuen Track »Taken Away« veranstalteten: »The Pulse« im mit etwas zu wenig Schlagkraft vor sich hinpeitschenden DerDieDas-Remix (dahinter verbergen sich Isi von Digitalism und Raik Krauss von den Labelkollegen Hey Today) oder »Echoes« in Digitalisms Underwater Sonar-Club-Remix, der an die Zeichentrickabenteuer von Captain Future und die Produktionen von Daft Punk denken lässt – was ja beinahe schon ein Gemeinplatz ist, wenn es um Digitalisms persönlichen Kosmos geht.

Digitalism - Hands on Digitalism    Beide finden sich allerdings auch auf der ausschließlich digital veröffentlichen Remix-Sammlung »Hands on Idealism«, die freilich längst nicht alles enthält, was diverse B-Seiten oder EPs hergeben. »Digitalism in Cairo«, ihre Hommage an den The-Cure-Klassiker »Fire in Cairo«, ist den Extended Mix jedoch auf jeden Fall wert. Proxy wiederum revanchierte sich für die »Tabloid«-Ehre auf seine Weise. Seine bestechende Version von »Home Zone« übertrifft die Vorlage an Aggressivität und Dringlichkeit um einiges. So aufwühlend kann ein musikalischer Gewaltakt klingen!

    Um besser oder schlechter geht es beim Remixen gleichwohl nicht; nur anders und originell muss die gelungene Neuabmischung sein; sie darf das Risiko nicht scheuen und kann womöglich jene Seite eines Stückes betonen, die bis dato unentdeckt blieb. Das kann man zwar nicht von allen Arbeiten auf »Hands on Idealism« behaupten, die meisten jedoch, wie beispielsweise Breakbots Variante von »Apollo-Gize«, überzeugen und erschließen rhythmisches oder klangliches Neuland. Da kann man sich nun getrost auf neues Material der beiden Soundtüftler freuen, an dem sich wieder andere abarbeiten dürfen.

LABEL: Kitsuné Maison

VERTRIEB: RTD / EMI

VÖ: 08.12.2008

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