Die Internationale NotierungIn der zweiten Folge unserer losen Serie »Der/die/das schlechteste …« empfehlen wir heute die schlechteste Interpretation der »Internationale« aller Zeiten, eingereicht von Walter Gröbchen. Auch bei diesem Beitrag zeigt sich das Risiko eines Vollversagens, sobald Künstler im Auftrag öffentlicher bzw. politisch gesteuerter Institutionen handeln.

    Die österreichische Partei SPÖ, genauer: die SPÖ Wien, verpflichtete den Dirigenten, Arrangeur und Komponisten Christian Kolonovits (u.a. tätig für Boney M., Supermax, Wolfgang Ambros, DJ Bobo, Carréras und Domingo) zur Neuinterpretation des von Eugène Pottier und Pierre Degeyter geschriebenen bzw. komponierten Kampflieds der Arbeiterklasse. Erstmals wurde das Neuarrangement (ebenso wie die Neuauflage des »Lieds der Arbeit«) auf dem SPÖ-Landesparteitag Ende April vorgestellt – man möchte sich die Reaktionen der Genossen nicht vorstellen, im positiven wie im negativen Sinne.

    Denn was als möglicherweise stolz und mutig gemeinte Auslegung der »Internationale« abgeliefert wurde, ist tatsächlich eine ängstliche, weichgespülte und mutlose Quasi-Ballade, die höchstens noch dazu geeignet ist, den Eingangsbereich von Gala-Empfängen der SPÖ mit einer Patina zerbrochener Träume zu überziehen. Wir hören ein zahnloses Stück, das die Genossen die Faust in der Tasche nicht gerne ballen lässt.

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