_ vs. Twin Peaks, Episode 1

Die neue Ausgabe von Spex beschäftigt sich ausgiebig mit David Lynchs und Mark Frosts stilprägender und zeitloser Serie »Twin Peaks«, am 8. April 1990 flimmerte die Geschichte um den Mord der Highschool-Schönheit Laura Palmer erstmals über die US-amerikanischen Bildschirme. Nicht zuletzt wegen Angelo Badalamentis teils düsteren, teils beschwingten musikalischen Kompositionen – wie schon bei Lynchs »Blue Velvet« – wurde »Twin Peaks« ein beachtlicher Erfolg.

    Auch heute hallt die Erinnerung an »Twin Peaks« deutlich nach: Immer wieder bezogen sich in den vergangenen zwanzig Jahren Bands und Musiker – ob stilistisch oder inhaltlich – auf »Twin Peaks«. Für uns ein Anlass, den Schwerpunkt des letzten Spex-Mixtapes sowie unserer aktuellen Titelgeschichte auch auf Spex.de auszuweiten. In den nächsten Wochen werden wir in loser Reihe die »Twin Peaks«-Songs von Solo-Musikern, Bands und Produzenten vorstellen, den Anfang macht die amerikanische Band Mount Eerie.

    Phil Elverum stammt aus dem nordamerikanischen Bundesstaat Washington, einer Gegend, die landschaftlich prototypisch für die Region ist, in der David Lynch seine Serie »Twin Peaks« nach dem gleichnamigen Film-Kaff ansiedelte. Im letzten Jahr erschien auf Tomlab das Album »Wind’s Poem« von Elverums Projekt Mount Eerie, auf dem gar nicht erst ein Hehl aus der »Twin Peaks«’schen Inspiration gemacht wurde: Das Stück »Between Two Mysteries« eröffnet mit zartem Gitarren-Picking und Schlägen auf Klanghölzern, bis nach wenigen Sekunden das markante Motiv aus Badalamentis »Laura Palmer’s Theme« einsetzt. Elverum greift dessen Rhythmus auf, summt an der bedrohlich dröhnenden Orgel entlang und singt: »The town rests in the valley beneath twin peaks / buried in space / What goes up there in the night / in that dark, blurry place?«

    Aber auch der Rest des Albums fügt sich nahtlos in das opake Sounddesign von »Twin Peaks« ein: Songwriting, Black Metal, Drone, Noise und Ambient, also purer Terror, Schrecken und Schönheit finden ihren Weg in das Sounddesign von Mount Eerie. So hört man auf »Wind’s Poem« immer wieder rasant einsetzende und brutale Gitarrenwand, rauschenden Noise und Elverums dezent platzierten und zarten Gesang (»Wind’s Dark Poem«, »The Mouth of Sky«), übersteuerte Loops zu verhallten Xylophon-Klöppeleien (»(something)«), scheinbar Rotweingeschwängerte Trauermärsche (»My Heart’s Not at Peace«) und episch in die Länge gezogene und ultralangsame Orgelmeditationen (»Through trhe Trees«).

    Auf der Bühne steht der Bedroom-Producer Elverum mit vollbesetzter Band, mit der Mount Eerie derzeit in Europa auf Tournee sind. Nach ihrem gestrigen Konzert in Köln spielen Elverum und Mount Eerie noch zwei weitere Konzerte in Berlin und Leipzig, den zweiten Konzert-Slot belegt die kanadische Band No Kids mit ihrer Mischung aus weißem R’n’B, Arthur Russell und Hollywood-Musical-Sounds.

 


VIDEO: Mount Eerie – Between Two Mysteries


STREAM: Angelo Badalamenti – Laura Palmer’s Theme

Spex präsentiert Mount Eerie & No Kids Live:
13.04. Berlin – Festsaal Kreuzberg
19.04. Leipzig – UT Connewitz

Bilder: © Mount Eerie / Tomlab, Paramount Pictures | Montage: Spex

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