Die dünne Dekade: Nachruf auf die Skinny Jeans – Berliner Konferenz- und Partyreihe Inventur // Ticketverlosung

Es muss eine neue Plattform geben, um über Mode zu sprechen, sagen Diana Weis und Christiane Frohmann. Deshalb haben die beiden Modetheoretikerinnen eine neue Konferenz- und Partyreihe namens Inventur ins Leben gerufen, die am 28. Juni im Roten Salon der Berliner Volksbühne abgehalten wird. Dass nächste Woche auch die Fashion Week stattfindet, ist natürlich kein Zufall.

Neulich im Internet: Man Repeller-Bloggerin Leandra Medine zeigt Möglichkeiten, der guten alten Skinny Jeans zu einem allerletzten fashion forward-Moment zu verhelfen: Abschneiden, die Seitennaht auftrennen oder gleich einen Schlag reinnähen. Darauf, dass die knallengen Jeans 2016 toter als tot sind, können sich im Grunde alle Modeblogger einigen. Allerdings: Auf den Straßen, egal ob Metropole oder Kleinstadt, zeigt sich ein ganz anderes Bild. Aber dazu später.

Trägt die immer schnellere Ausrufung und darauf folgende Totsagung von Trends zur allgemeinen Krise der Modeinsdustrie bei, oder passen sich Presse und Blogger umgekehrt nur an ein verändertes Tempo an? Ist die Mode gar komplett tot, ihrer letzten Träume und Verzauberungen beraubt, wie unlängst Trendforscherin Li Edelkoort behauptete? Diana Weis und Christiane Frohmann haben Hoffnung. »Mode besitzt noch immer eine wichtige gesellschaftliche Funktion. Nur die hermeneutische Lesbarkeit hat sich verändert. Eine veränderte Mode macht eine neue Modetheorie notwenig«, sagt Weis, deren Texte auch in SPEX zu lesen sind. Eine theoretische Auseinandersetzung fehlt ihr vor allem im deutschsprachigen Raum, wo Mode noch immer nicht als Kulturdsziplin angesehen wird.

Es muss also eine neue Plattform her, um über Mode zu diskutieren – zu besetzen ist der Platz zwischen Modebusiness-Insiderwissen und Styling-Tipps aus Frauenzeitschriften. Die neue Konferenz- und Partyreihe Inventur wendet sich daher an forschende und schreibende, aber bewusst auch an (ausschließlich) Mode konsumierende Menschen. Das erste Untersuchungsobjekt der Reihe, die Skinny Jeans, ist bereits bestes Beispiel für das immer stärkere Auseinanderklaffen zwischen Street Style und Modetheorie. »Kein Kleidungsstück war für die Ästhetik des frühen 21. Jahrhunderts prägender als jene Hosenform, die das dazugehörige Körperideal bereits im Namen trägt. Die Skinny Jeans steht symbolisch für die ideologische Trias des neuen Jahrtausends: Diktat der Jugendlichkeit, Sinnsuche in Askese, Selbstauflösung im Exzess«, meinen Frohmann und Weis. Seit ihrem Aufkommen Anfang der Zweitausenderjahre hat die Skinny Jeans eine erstaunliche Entwicklung genommen: Zunächst nur bei sehr schlanken Frauen geduldet, ist sie spätestens seit der Omnipräsenz der Kardashian-Familie auch an kurvigen Beinen zu sehen. Bedeutet das das Ende der skinny silhouette?

Die erste Inventur dokumentiert Aufstieg und Fall einer Silhouette, analysiert deren ästhetischen, körperpolitischen und popkulturellen Mehrwert und stellt Alternativen vor. Es sprechen:

  • Melanie Haller (HAK Hamburg): Thigh Gaps und Muffin Tops: von Skinny und Ultra-low-rise. Jeans zur Körpernormierung in der Schnittkonstruktion
  • Fabian Hart (fabianhart.com): Skinny Jeans: Körpernaher Stoff & Digitale Entkörperung
  • Mahret Kupka (MAK, Frankfurt): Dis/Appear. Über die Persistenz einer Silhouette
  • Michael Rieser (LMU München): The King’s Two Bulges: Die Skinny Jeans des 18. Jahrhunderts und Hedi Slimanes nouveau régime
  • Cathy Boom (stylemag.net): Gespräch mit Diana Weis
  • Christiane Frohmann (Frohmann Verlag/Orbanism, Berlin): Dünne Beine als Un-Lifestyle
  • Diana Weis (AMD Berlin): Von Kate zu Kim. Zur Umformung des weiblichen Idealkörpers zu Zeiten der Skinny Jeans
  • Moderation: Nadine Hartmann, Bauhaus-Universität, Weimar

Die Inventur_Null findet am 28. Juni von 15 bis 18.30 Uhr im Roten Salon der Berliner Volksbühne  statt. Ab 21 Uhr darf an gleicher Stelle mit dem Cobra-Killer-DJ-Team getanzt werden. Weitere Informationen gibt es hier.

Tickets kosten 20 Euro im Vorverkauf, oder auch gar nichts: SPEX verlost 2×2 Tickets für Konferenz und Party. Einfach bis zum 24. Juni eine Mail mit dem Betreff »Inventur« an gewinnen@spex.de schreiben. Das Los entscheidet.

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