Die Coen Brothers über Inside Llewyn Davis

Oscar Isaac als dauerverdrossener Llewyn Davis mit Katze

Morgen läuft ihr neuer Film Inside Llewyn Davis in den deutschen Kinos an: Im Interview mit SPEX sprechen Joel und Ethan Coen über die Charaktere von Oscar Isaac, John Goodman und Justin Timberlake sowie die ungewöhnliche Stimmung des Werks.

Sonja Eismann hat die Brüder für die aktuelle Ausgabe N°349 unter anderem über die in ihrem Œuvre‎ nahezu einzigartige Atmosphäre befragt. »Das ist sicher kein sehr ausladender Film«, bestätigt Joel Coen, »er hat etwas Geschlossenes, Enges, fast Erdrückendes in Bezug auf die Räume und das Wetter. Wir wollten keine Sonne, keinen blauen Himmel.« »Alles ist etwas düster, es ist immer kalt, diese Enge verschwindet nie«, pflichtet ihm Ethan bei. Selbst die große Autofahrt des Titelhelden Davis nach Chicago (Szenenausschnitt im Video unten) habe man bewusst fast ausschließlich mit Innenaufnahmen realisiert.

Für Davis ger&aunl; t die Fahrt mit dem alten, von John Goodman gespielten Jazz-Hipster Roland Turner (Ethan: »Es ging darum, die schlimmstmögliche Kombination von Personen für diese Autofahrt nach Chicago zu erdenken. Da passte die Figur von John hervorragend.) zum Albtraum. Doch auch das in Chicago folgende Treffen mit dem Musikproduzenten Bud Grossman (F. Murray Abraham) wird für den Dauerverdrossenen zu einer Herausforderung: »Das ist der einzige Moment, bei dem wir Llewyn dabei beobachten können, wie er versucht, irgendwie liebenswürdig rüberzukommen. Oscar (Isaac) meinte während des Drehs, als seine Figur gezwungen war zu lächeln: ›Das ist irgendwie widerlich.‹«, erinnert sich Joel.

Noch amüsanter war für die Coens wohl nur die ungewöhnliche Besetzung Justin Timberlakes als biederen Folkmusiker: »Uns war bewusst, wie Justin (…) wahrgenommen wird. Er ist allerdings auch einfach ein guter Schauspieler, was seine vielen Filme in letzter Zeit immer wieder beweisen, aber wir haben nicht zuletzt spezifisch nach guten Musikern gesucht, die gleichzeitig schauspielern können.« Für ihn war es ohnehin »relativ offensichtlich«, das der Popsänger in dem Film auftreten würde, egal in welcher Rolle: »Es gibt einfach nicht so viele Musiker, egal welchen Genres, die auch gute Schauspieler sind. Die sind schwer zu finden.«

Inside Llewyn Davis ist ab morgen in den deutschen Kinos zu sehen. Das gesamte Interview mit den Coens über Hipster-Schulen, ironiefreie Zonen und die Abwesenheit von Politik in ihrem Film findet sich mitsamt einer ausführlichen Besprechung sowie einem weiteren Interview mit dem Soundtrackproduzenten T Bone Burnett aktuell in SPEX N°349 am Kiosk.

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