Die 100 Besten auf einer Käse-Platte

tensammlung gerne durchforsten – bzw. mühsam anlegen und zum glitzernden Stern ihres vor Geheimwissen raunenden Westentaschen-Universums machen. Aber es hätte mich doch verwundert, wäre ein Mädchen auf die Idee gekommen, ein Buch mit dem Titel »Basis-Diskothek Rock und Pop« zu verfassen. So eine Partykeller-Chefauskenner-Plattenaufleger-Ernsthaftigkeit! – abgesehen davon, dass es sich wohl sowieso um den emanzipatorischen Kanon einer irgendwie feministisch deklarierten Kollektion handeln müsste, damit die Dame einen Verlag findet.
Insofern hat es Uwe Schütte, »Popkommunist und Geschäftsführer einer Ich-AG«, mit seinem Reclam-Bändchen einfacher. Er fällt nicht groß auf und braucht vor allem keinen Grund für seine, äh, Hobbywissenschaft. Eine über kindgerechten Formalismus hinaus reichende Motivation hätte aber vielleicht Sätze unmöglich gemacht, die zumindest ich nicht mehr missen möchte: »AC/DC sind eine Hardrock-Institution (…) Die schottisch-australische Krachmachertruppe geht zwar unaufhaltsam dem Rentenalter entgegen, auf den Bühnen internationaler Ausstellungszentren oder Sportarenen laufen sie jedoch noch immer in Schuluniformen und Shorts herum. AC/DC, das ist Partymusik für fröhlich Zurückgebliebene.«
Ja, das ist so wahr wie die Tatsache, dass auf der Talking Heads-LP »Remain In Light« sechs Bassstracks »gleich einer akustischen Lasagne aufeinander geschichtet wurden«. Schmeckt man noch heute. In Bezug auf PJ Harvey weiß der Autor fein zu gendern: »Eine Furie. Singend, schreiend, heulend, fluchend. Die Penthesilea der Popmusik.« Wir erfahren, dass der Lebensweg des Elvis Aaron Presley »merkwürdig überschattet« gewesen sei. Genau wie sich Licht und Schatten in merkwürdiger Manier in diesem pop-literarischen Fuchsbau Gute Nacht sagen. Die Gästeliste umfasst durchaus SPEX-kompatibles Personal. Die teils humoresk anmutenden Reden schwingt ein pathologischer Junge, der an seiner Tafel selbstbewusst Leichtverdauliches und Halbgares serviert: »1977 sang Byrne den >Psycho Killer< derart überzeugend, dass es einen fröstelte.«
Mir werden die Knie weich, denk’ ich da an »American Psycho«.

Uwe Schütte: »Basis-Diskothek Rock und Pop«, 5 Euro, ist bereits bei Reclam erschienen.

Kennt ihr die Jungs, die erstmal vor der Plattensammlung auf die Knie gehen, wenn sie eine fremde Wohnung inspizieren? Selbst einer? Ich will ja nicht behaupten, dass nur Jungs eine Plattensammlung gerne durchforsten – bzw. mühsam anlegen und zum glitzernden Stern ihres vor Geheimwissen raunenden Westentaschen-Universums machen. Aber es hätte mich doch verwundert, wäre ein Mädchen auf die Idee gekommen, ein Buch mit dem Titel »Basis-Diskothek Rock und Pop« zu verfassen. So eine Partykeller-Chefauskenner-Plattenaufleger-Ernsthaftigkeit! – abgesehen davon, dass es sich wohl sowieso um den emanzipatorischen Kanon einer irgendwie feministisch deklarierten Kollektion handeln müsste, damit die Dame einen Verlag findet. nInsofern hat es Uwe Schütte, »Popkommunist und Geschäftsführer einer Ich-AG«, mit seinem Reclam-Bändchen einfacher. Er fällt nicht groß auf und braucht vor allem keinen Grund für seine, äh, Hobbywissenschaft. Eine über kindgerechten Formalismus hinaus reichende Motivation hätte aber vielleicht Sätze unmöglich gemacht, die zumindest ich nicht mehr missen möchte: »AC/DC sind eine Hardrock-Institution (…) Die schottisch-australische Krachmachertruppe geht zwar unaufhaltsam dem Rentenalter entgegen, auf den Bühnen internationaler Ausstellungszentren oder Sportarenen laufen sie jedoch noch immer in Schuluniformen und Shorts herum. AC/DC, das ist Partymusik für fröhlich Zurückgebliebene.« nJa, das ist so wahr wie die Tatsache, dass auf der Talking Heads-LP »Remain In Light« sechs Bassstracks »gleich einer akustischen Lasagne aufeinander geschichtet wurden«. Schmeckt man noch heute. In Bezug auf PJ Harvey weiß der Autor fein zu gendern: »Eine Furie. Singend, schreiend, heulend, fluchend. Die Penthesilea der Popmusik.« Wir erfahren, dass der Lebensweg des Elvis Aaron Presley »merkwürdig überschattet« gewesen sei. Genau wie sich Licht und Schatten in merkwürdiger Manier in diesem pop-literarischen Fuchsbau Gute Nacht sagen. Die Gästeliste umfasst durchaus SPEX-kompatibles Personal. Die teils humoresk anmutenden Reden schwingt ein pathologischer Junge, der an seiner Tafel selbstbewusst Leichtverdauliches und Halbgares serviert: »1977 sang Byrne den >Psycho Killer< derart überzeugend, dass es einen fröstelte.« nMir werden die Knie weich, denk’ ich da an »American Psycho«. nnUwe Schütte: »Basis-Diskothek Rock und Pop«, 5 Euro, ist bereits bei Reclam erschienen.

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