dEUS

Wenn es um international bekannte Indie-Bands aus Kontinentaleuropa geht, dann wird die Luft allgemein ziemlich dünn. Dann muss man nicht lange – anders als in England oder den USA – über die Relevanz einer Band debattieren: Die Erinnerung holt einen schnell ein. Diejenige Band, die es weit über die eigenen Landes- und Genregrenzen hinaus geschafft hat – in diesem Fall die Belgiens – ist dEUS, und damit wurde jetzt schon so viel gesagt.
    Ein neues dEUS-Album ist immer noch eine Sensation, auch wenn die »Pocket Revolution« eine eher stille ist. Bitte nicht falsch verstehen: Diese Platte rockt! Aber in anderen Dimensionen, als man das bisher gewohnt war. Mit dem Alter ist man ruhiger geworden, an sich selbst und dem Leben gewachsen. Und auch am eigenen Umfeld: Tom Barman vertrieb sich die Zeit mit Magnus und »Any Way The Wind Blows«, die ehemaligen dEUS-Mitglieder Stef Kamil Carlens und Danny Mommens mit Zita Swoon und Vive la Fête. Und dann verließ im letzten Jahr auch noch Craig Ward die Band. Aber das ist alles gestern. Denn so sehr die Bandentwicklung auf »Pocket Revolution« hörbare Spuren hinterlassen hat, so schön ist es zu wissen, dass man immer noch hungrig ist. Wie im Album-Opener »Bad Timing« werden ständig Spannungsbögen gezeichnet, um sie irgendwann unter Gitarrenwänden zu begraben. Und dennoch hört man die stärkere Öffnung zum Pop deutlich raus. Dieses Album klingt nicht kantig ? und das will bzw. soll es auch nicht. Kompensiert werden diese fehlenden Elemente durch eine nie da gewesene Tiefe, Melodik und Hintergründigkeit. Beherrscht werden dEUS natürlich immer noch von Barmans Stimme und Ideen, wie man nirgends besser als in Stücken wie »If You Don’t Get What You Want«, »Nightshopping« oder dem völlig entspannenden »The Real Sugar« hören kann.
Genau genommen ist »Pocket Revolution« vielleicht doch eine laute Revolution, gerade weil es nicht nach 1996 klingt. An die Fans: Ihr werdet es lieben. An die Verweigerer: Beginnt hier und arbeitet euch nach hinten (bzw. vorne) vor. An die Indie-Pop-/Rock-Hörer: Ihr findet euch hierauf wieder. An alle da draußen: »If I don’t get what I want / If I don’t get what I need / If I don’t get what I ask for / I won’t let it be / There ain’t no difference between you and me«.

LABEL: V2 Records

VERTRIEB: RTD

VÖ: 12.09.2005

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