Der Spextrakt vom 3. August 2009

Kein Tag vergeht ohne bizarre Meldungen aus der Musikindustrie: Michael Jacksons »Thriller«-Demos sind aufgetaucht, die Fiery Furnaces vertreiben Notenblätter statt der Musik selbst und die EMI beliefert ihre Independent-Kunden in den USA dafür gar nicht mehr. Außerdem im heutigen Spextrakt: Bernard Sumner singt über Schweine, Slum-Village-Rapper Baatin ist tot und Donna Summers Disco-Kugel dreht sich immer weiter.

  • MP3: Michael Jacksons »Thriller« Demos
    Der King of Pop bleibt weiterhin tot, aber seine musikalische Schaffenskarriere zieht Tag für Tag weitere Kreise. Nun tauchten in einem Forum Demo-Aufnahmen der »Thriller«-Sessions ohne weiteren Verweis auf ihren Ursprung auf. Das Blog »The Unheard Music«, das sich der ungehörten bzw. unveröffentlichten Musik verschrieben hat, macht diese Jacko-Aufnahmen nun zugänglich. Für Komplettisten und Musikliebhaber ist es somit eine tägliche Pflichtlektüre. Bookmarken!
  • DIGITAL: The Fiery Furnaces’ »The Silent Record«
    Eine der zentralen Fragen unserer heutigen Zeit ist die nach dem Besitz von Musik. Selbstverständlich bleibt (unter rechtlichen Gesichtspunkten) die Musik geistiges Eigentum des jeweiligen Urhebers. Man könnte es natürlich auch anders sehen und Songs oder Alben als Gemeingut betrachten, sobald sie veröffentlicht werden. Diese Fragen scheinen auch die amerikanischen Fiery Furnaces umgetrieben zu haben: nicht Willens, sich mit der digitalen, unentgeltlichen Kopie ihrer Werke abzufinden, entschloss sich das Duo nun, ihr neues Album nur als Notierung zu veröffentlichen. Da sich Musik nicht mehr verkaufe, wolle man sie mit dem neuen Album auch nicht mehr zur Verfügung stellen. Vielmehr ruft die Band nun zu eigenen Interpretation auf Grundlage der bereitgestellten Notenblätter, Anleitungen und der technischen Infrastruktur im Netz auf, getreu dem Art-Brut-Motto: Start a band!
  • INDUSTRIE: Eat Cake, bitch! – EMI Quits Selling CDs to Indie Record Stores
    Da ist das Majorlabel schon wieder einen Schritt weiter als die Musiker: Statt sich wie die Künstler Gedanken über den zeitgemäßen Vertrieb von Musik zu machen, stellt man ihn bei der EMI einfach ein. Scheinbar ganz nach dem Motto: Wenn das CD-Format der MP3 geschuldet sowieso ausstirbt, warum dann nicht auch industriebefeuert? Die amerikanische Dependance des Majors EMI verweist ihre unabhängigen Kunden (sog. ›Plattenläden‹) daher nun an WalMart, Best Buy und andere Großketten, statt sie selbst mit CDs zu beliefern. Besonders perfide: CDs dürften durch solch eine Taktik nicht gerade günstiger werden, da auf die Großeinkaufspreise von WalMart selbstverständlich noch deren eigene Kosten und Gewinn-Margen aufgeschlagen werden. Was wohl der Kunde dazu sagt, wenn der Plattenhändler seines Vertrauens ein Beatles-CD-Album im Jahr 2009 für 20 Dollar anbietet? Genauer: anbieten muss.
  • VIDEO: New Orders »Every Little Counts«
    Auf ihrem vierten Album »Brotherhood« (1986) findet sich im Song »Every Little Counts«, hier zu sehen in einer Live-Version auf dem Reading Festival, ein herrlicher Beweis für Bernard Sumners absurd-alberne Lyrics. Der Song beginnt, wir konnten unseren Ohren kaum trauen, tatsächlich mit folgenden Zeilen: »Every second counts / When I am with you / I think you are a pig / You should be in a zoo« Genial. Und wo wir schon beim Thema sind: Auf YouTube findet sich ein überaus informatives vierteiliges Interview mit Bernard Sumner aus diesem Jahr, ausgestrahlt von dem britischen Pay-TV-Sender Sky. Unter anderem gibt Sumner zu, dass er nichts weniger mag als das Schreiben von Songtexten. In der am 21. August erscheinenden Spex #322 steht Sumner im ausführlichen Spex-Gespräch Rede und Antwort – ein Thema: Segeln.
  • MUSIK: Slum Village Rapper Baatin dead at 35
    Mit Slum Village wurde der Rapper Titus »Baatin« Glover vor rund neun Jahren bekannt, J Dilla produzierte das erste Album »Fantastic Vol. 2«. Bereits am Freitag verstarb Baatin im Alter von 35 Jahren unter weiterhin unbekannten Umständen in seiner Heimat Detroit. Er hinterlässt einen Sohn und eine Tochter.
  • MUSIK: Die Discokugel dreht sich immer weiter – Donna Summer in Berlin
    Vergangene Woche spielte die Disco-Queen Donna Summer in Berlin, Spex-Redakteurin Wibke Wetzker fasste ihre Eindrücke der ersten Deutschland-Show der Diva seit 30 Jahren in einem Artikel in der Berliner Zeitung zusammen: »Gleich zu Beginn ereilt ein Textaussetzer die Diva, ihre Stimmgewalt und Treffsicherheit bestechen hingegen in jeder Tonlage, den bedauernswerten Klangverhältnissen zum Trotz. So zu singen, das hat sie im Bostoner Gospel-Chor gelernt; die deutsche Sprache während ihrer Jugendzeit in München, wie sie beinahe akzentfrei zwischen den Songs beweist und so zu ›Could It Be Magic‹ überleitet. Eine weiße Rose fliegt auf die Bühne, Donna Summer wirft Luftküsse zurück.«

Ergänzende Vorschläge für den Spextrakt nehmen wir über das Kontaktformular entgegen.

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