Guten Abend, verehrte Damen und Herren. Willkommen zu den Leseempfehlungen von Spex-Redaktion und -Lesern vom 14. Juli 2009. Die Themen des heutigen Spextrakts im Überblick: Wie gelangt man auf das wichtigste Mode-Blog? Wie manipuliert man Twitter-Charts? Wie tritt man in Von Thurn und Taxis’ Fußstapfen? Wie klingt eigentlich Caspa? Wo bildet man sich zu Italo-Disco fort? Und was taugt eigentlich die Piratenpartei?

  • MODE/HUMOR: Our Step-by-Step guide to getting shot by The Sartorialist
    Mode-Blogs sind die neuen Musik-Blogs, jedenfalls seit beinahe zwei Jahren. Was zwar bedeuten kann, dass man in nahezu jeder europäischen oder nordamerikanischen Großstadt Gefahr läuft, per Streetstyle-Check und -Foto abgelichtet zu werden, aber gleichzeitig noch längst nicht bedeutet, von ›den Richtigen‹ fotografiert zu werden. Abhilfe in dieser Hinsicht versuchen nun Christene Barberich, Piera Gelardi und Joshua Covarrubias, indem sie mittels eines Flowcharts die Frage begleiten, wie zum Teufel man es auf das wichtigste Mode-Blog kommt.
  • DIGITAL: The Hype Machine’s new Twitter Music Chart is too easy to RickRoll
    Nun ist es amtlich: das führende Tech-Blog Techcrunch hat die erst letzte Woche eingeführten Twitter-Charts auf The Hype Machine, dem größten MP3-Blog-Aggregator, öffentlich mit Rick Astles »Never Gonna Give You Up« düpiert. Die Twitter-Charts auf Hype Machine versuchen die Popularität einzelner Stücke innerhalb des Microblogging-Netzwerks zu messen, indem User je Follower Punkte erhalten. Je mehr Follower ein Nutzer (oder Medium) hat, desto schneller kann man die Charts manipulieren. Ein Umstand, der uns letzte Woche auch schon aufgefallen ist.
  • MODE: Elisabeth von Thurn und Taxis trifft Jürgen Teller
    Als die gottesfürchtige Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis im Jahr 2001 in Michel Friedmans Talkshow der bundesdeutschen Wohnzimmeröffentlichkeit erklärte, das Aids-Problem in Afrika habe damit zu tun, dass »der Afrikaner gerne schnackselt«, war die Entrüstung groß. Elisabeth von Thurn und Taxis, Glorias 27-jährige Tochter, scheint Mutters Talent zur Weltvereinfachung geerbt zu haben: In der aktuellen Relaunch-Ausgabe der deutschen Glanzzeitschrift Qvest unterhält sich Elisabeth, die eine Karriere als Journalistin anzustreben scheint, mit dem Modefotografen Jürgen Teller über dieses und jenes – und siehe da: Auch hier bekommt ›der Afrikaner‹ sein Fett weg, beziehungsweise seine britischen Nachfahren. Gott hilf dieser Familie!
  • STREAM: Caspa – Everybody’s Talking, Nobody’s Listening
    Gute, schlüssige Dubstep-Alben sind rar: die Veröffentlichungen von Burial, Benga und Martyn waren solche gelungenen Werke, das Album von Caspa kann man nun getrost in diese Reihe stellen. Das sieht der Londoner Dancehall-Stratege David Rodigan ganz ähnlich, weshalb er mit einem kurzen Monolog dieses Album eröffnet und Caspa mal eben so indirekt mit dem Dub-Forscher King Tubby vergleicht.
  • MUSIK: Mister Italo – The future is 25 years old
    Gerade zwanzig Stunden Freizeit in der Hinterhand? Gut! Dann lohnt sich der Besuch von »Mister Italo« nämlich ganz besonders. Das Blog hat sich auf die Italo-, Space- und Electro-Disco-Tracks der Achtziger spezialisiert, jene Musik also, die derzeit ihre Renaissance erfährt. Nahezu alle Einträge werden von Musikvideos und Streams der betreffenden Künstler flankiert, ein Clip interessanter als der vorangegangene. Obendrein ergänzen die Betreiber von »Mister Italo«, dass man sich bei Gefallen des Blogs auch gerne ihr DJ-/Edit-Projekt The Robot Scientists anhören kann, mit dem sie in regelmäßigen Abständen ihre »Musica da Batticuore«-Mixes als MP3 zum Download stellen. (Eingereicht von Marco)
  • POLITIK: Postskriptum zur Piratendiskussion – Diedrich Diederichsen über die Piratenpartei
    Neue Parteien braucht das Land, neben der Frage nach der Partizipation benötigt es nur noch Antworten auf inhaltliche Fragen. Für die taz geht Diedrich Diederichsen der Frage nach, was die Piratenpartei generell taugt.

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