Der Klang der Veränderung: Gold Class im Interview & auf Tour

Foto: Sara Retallick

Gold Class revitalisieren den Post-Punk-Sound und haben damit in kürzester Zeit Australien erobert. Auf ihrer ersten Tour außerhalb ihrer Heimat machen sie ab heute auch in drei deutschen Städten Halt. Im SPEX-Interview spricht Frontmann Adam Curley über den schnellen Erfolg der Band, ihre Einflüsse und die Veränderung, zu der Curley mit seiner Musik beitragen will.

Gold Class gründeten sich gerade mal vor zwei Jahren, und seitdem scheint für die Studienfreunde aus Melbourne alles wie am Schnürchen zu laufen. Dabei gab es laut Sänger Adam Curley gar keinen großartigen Plan mit der Band. »Aber niemand von uns ist der Typ, der Dinge halbherzig angeht. Zuhause fühlt sich das alles auch an, als wäre es natürlich gewachsen. Wir haben wenige Monate nach unserer Gründung angefangen Shows zu spielen und nach und nach kamen mehr Leute.«

Was wenig verwundert; eilt der Band doch der Ruf voraus, sehr intensive und energiegeladene Auftritte hinzulegen. Ein Jahr nach der Gründung habe man dann das Album aufgenommen, um Aufnahmen der eigenen Songs zu haben – »so einfach ist das.« Etwas hat sich durch den rasanten Durchbruch aber schon verändert: »Wir verbringen nun mehr Zeit zusammen als Band, sind weit von Zuhause weg und reden viel über die nächsten Schritte: ein neues Album, eine neue Tour. Aber darüber will ich gar nicht so viel nachdenken. Es ist wichtig, die Spontanität zu erhalten.«

Hört man sich den Post-Punk-Sound der Gruppe an, denkt man unweigerlich an die frühen Achtzigerjahre. Gerade Curleys Gesang geht stark in Richtung eines Ian Curtis. Curley selbst sieht das nicht so. »Ich glaube es ist ein wenig faul zu sagen, dass jemandes Stimme klingt, als sei sie aus einer bestimmten Zeit. Hatten die Menschen keine tiefen Stimmen vor den Achtzigern, oder danach?« Dem entsprechend hören die Bandmitglieder alles mögliche, im Tourbus gerade vor allem australische Bands wie die ebenfalls aus Melbourne stammenden The DronesTwerps und Summer Flake. »Um ehrlich zu sein: Ich höre mir größtenteils die Musik an, die meine Freunde machen.«

Auch wenn sich die Band nicht dezidiert politisch im Sinne einer Bewegung präsentiert, wollen Gold Class mit ihrer Musik Instrument der Veränderung sein. Welcher genau? »Ich hoffe einfach,« meint Curley, »dass Menschen, die sich scheiße fühlen, weil jemand ihnen das Gefühl gegeben hat, sich für das, was sie sind, schämen zu müssen, in unserer Musik Ermutigung finden. Das ist der Wandel, den ich meine: Wenn Außenseiter sichtbar werden und sich Gehör verschaffen, gibt das Kraft für neue Ideen und somit für Veränderung. In Australien wird Politik hauptsächlich durch Angstkampagnen gemacht. Unsere aktuelle Regierung terrorisiert Flüchtlinge, ist offen homophob, möchte Studiengebühren deregulieren, hat die Kulturförderung zusammengestrichen und kein Interesse an indigener Selbstbestimmung. Musik kann Menschen wachrütteln, die Veränderung wollen. Ich denke, Menschen sehen zu lassen, dass sie nicht allein sind, ist ein politischer Akt.«

Gold Class live
21.04. Freiburg – Swamp
22.04. Braunschweig – Eule
23.04. Berlin – Acud Macht Neu

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