Der Festivalsommer (4)

Die Vorhersage für die nächsten Tage: durchwachsen! Vereinzelt Sonne, stellenweise starker Regen, dazwischen bewölkter Himmel und eine kleine Sturmfront. Schön, genau richtig für Festivals. Zum Wochenende hin wird es klarer – jedenfalls im Osten. Für alles andere gehören Daumen gedrückt, bei Bedarf Ölzeug gepackt. Der Festival-Überblick für das kommende Wochenende. Am Samstag mit dem Juicy Beats, ausdrücklich empfohlen von Spex. Daneben: Omas Teich in Ostfriesland und das Berlin Festival in – Neumünster…
Foto: Stripy | CC

Juicy Beats
Ort: Dortmund, Westfalenpark
Termin: 28. Juli
Kapazität: 19.000
Lineup: Deichkind, Klee, DJ Vadim & Band, GusGus, Client feat. Robert Görl, Mit, Shitdisco, Festland, Erobique, Yellowman, Zoe, Don Abi, Mahmoud Ahmed, Klaus Fiehe, DJ Orson, Popnoname, uvm
VVK: 18 € zzgl. Gebühren
AK: 22 € / Kinder bis 14 Jahre: 1€ / Kinder bis 6 Jahre: Eintritt frei
Camping / Parken: – / gebührenpflichtig, keine Angabe

JuicyBeatsWenn Festivals mit einem »weitläufigen Gelände« locken, dann kann man sich schon einmal ein wenig verloren fühlen, wenn die Strecke zwischen den Bühnen zwar weit ist, das Gelände selbst aber mehr einem Acker gleicht und man sich zwischen Imbissbuden, Dauerbeschallung und umgeben von tausenden anderen Festival-Pendlern kaum mehr zu orientieren weiß. Gut, verloren gingen wohl die wenigsten auf den »großen« Festivals, aber wirklich angenehm sind deren Dimension auch nicht unbedingt. Nun hat das Juicy Beats auch keine wirklich kleine Besucherzahl: 19.000 bis 21.000 Besucher kann man bei gutem Wetter auf der »größten Gartenparty im Pott« (Erobique, Spex #301) erwarten. Aber: Der Dortmunder Westfalenpark ist eine Ausnahme-Location.
    Hier kann man zwischen der Haupt- und der Seebühne schon einmal eine halbe Stunde unterwegs sein – ohne sich in einem riesigen Strom von Menschen zu befinden. Das einerseits, weil das Gelände der bisher drei Bundesgartenschauen viele verschiedene Fußwege dafür anbietet. Andererseits, weil jenseits der asphaltierten Wege nicht nur viele Bühnen mit unterschiedlichstem Programm locken, sondern die vielen Grünflächen und Gartenanlagen ebenso wie die abwechslungsreiche Gastronomie – auf die Gefahr hin, das folgende in bestem Werbedeutsch klingen zu lassen – zu längeren Pausen einladen.
    Anders geht es natürlich auch: Der Westfalenpark bietet einen Sessellift (!), zusätzlich aber eine Parkeisenbahn: Die ist deshalb der Knüller, weil man vor der Sonne geschützt über das Gelände fahren kann und obendrei vom letzten Abteil aus mit Musik versorgt wird. Grandios!
    Vor soviel drumherum kann man schon das ein oder andere Highlight verpassen. Im letzten Jahr brachten Coldcut das Publikum vor der Hauptbühne auf Touren, in diesem Jahr werden dies u.a. Klee, DJ Vadim & Band, GusGus und Deichkind tun. Auch auf den elf anderen Bühnen ist mehr als ambitioniertes Programm vertreten: Client feat. Robert Görl, Mit und Shitdisco, Festland und der erneut auftretende Carsten »Erobique« Mayer, Yellowman und Zoe, Don Abi und Mahmoud Ahmed, Klaus Fiehe & DJ Orson oder Popnoname. Es wird schnell klar: Am Eingang sollten Timetable und Geländeplan eingepackt werden.


Berlin Festival

Ort: Berlin, Poststadion
Termin: 27.-28. Juli
Kapazität: 4.000
Lineup: Tocotronic, Peaches, Datarock, Erobique, Peter Björn & John, Uffie, Midlake, The Go! Team, The Presets, The Films, Au Revoir Simone, Shitdisco, Mit, WhoMadeWho, Princess Superstar, DJ Mehdi, 2ManyDJs, uvm
VVK: 40 € / 60 € (inkl. Camping) / 25 € (Tagesticket), alle zzgl. Gebühren
AK: 53 € / 68 € (inkl. Camping) / 33 € (Tagesticket)
Camping / Parken: 20 € (im Festivalticket enthalten), 8 € / kostenlos

BerlinFestivalEinigermaßen trainierte Leichtathleten könnten vom Berliner Poststadion aus den neuen Hauptbahnhof treffen. Nirgends scheint die Allegorie vom »Steinwurf entfernt« zutreffender als beim Berlin Festival, das nach zwei Startversuchen außerhalb Berlins in Mitte-Mitte angekommen ist. Das Gelände des Poststadions muss dabei der Glücksgriff überhaupt gewesen sein: Zentrale Lage für Festivalbedingungen günstig abzugeben, ein verlassenes Schwimmbad mit neuerdings erschlossenem Campingplatz gleich neben den beiden Bühnen und genügend Platz für Aktivität abseits des Konzerts: Auf dem Schwimmbad-Gelände kann Beach-Volleyball und Tisch-Fußball gespielt, abseits davon in Ruhe gegrillt werden.
    Gut, einen Nachteil hat solch eine zentrale Lage: Um 22 Uhr ist curfew! Danach kann im Tape gefeiert werden, das – obwohl nur 5 Minuten entfernt – auch von einem Shuttle-Bus angefahren wird.
    War da noch was? Ach ja, Programm: Gemeinsam mit den Kollegen des Vice Magazins gestaltet verteilt sich eine einmalige Mischung an Bands und Solo-Künstlern auf zwei Bühnen: Tocotronic, Peaches, Uffie, Midlake, The Go! Team, The Presets und zahlreiche andere, die man in diesem Sommer andernorts vergebens sucht.

Omas Teich Festival
Ort: Großefehen, Im Unterende Nord
Termin: 27.-28. Juli
Kapazität: 6.000
Lineup: Superpunk, Tomte, The Films, Fotos, Tent, Click Click Decker, She-Male Trouble, Kilians, Aereogramme, Madsen, uvm
VVK: 36.50 €
AK: 45 € (Festivalticket) / 25 / 30 € (Tagesticket)
Camping / Parken: kostenlos

OmasTeichFestivalAlleine wegen des Namens zucken Städter schon nervös mit dem Auge. »PRO-VINZ«, nannte dies ein Bekannter vor einiger Zeit recht laut und energisch. Eine größere Wiese, vereinzelte Bäume über dem Marschland und vermeintliche Lokal-Tölpel wie »Rocker Rolf«, dazu die Windmühlen: Alles die ganz große Postkarten-Romantik, sagt auch »Rocker Rolf« selbst: »Das ist wie Urlaub für mich!«
    Ja, Großefehen bei Leer in Ostfriesland ist normalerweise nicht der Hot-Spot der Popkultur. Aber es geht nicht darum was, wer oder wo Du bist, sondern was Du daraus machst! Wusste auch Rocko Schamoni, nachzulesen in »Dorfpunks«. Und wenn man ehrlich ist, steckt in den meisten überzeugten Städtern eben doch das kleinbürgerliche Landei.
Omas Teich Festival existiert nun im zehnten Jahr, dem Namen selbst kann man seine Geschichte ablesen: Entstanden an Omis Teich eben, mit zuviel Bier und Zeit, Geduld und Glauben an die Sache, dass man gute Musik nämlich auch auf das Land holen kann.
    In diesem Jahr kommen die meisten Künstler aus Deutschland. Superpunk und Tomte beispielsweise, aber auch die Fotos und die wunderbaren Tent. Von etwas weiter weg kommen The Films (USA, Carolina) und Aereogramme (Schottland, Glasgow). Wobei wir bei letzteren gespannt sind, denn schließlich haben die sich im Februar aufgelöst. Zeit für Wunder? Warum auch nicht.
    Omas Teich ist eines dieser kleinen Festivals in der Nische, das von Jahr zu Jahr wächst. Eines der guten weil ehrlichen außerdem: Denn dort wird nicht krampfhaft versucht, sich in die Riege der »coolen« Festivals einzugliedern, großstädtisch zu wirken. »Come as you are«, formulierte es Cobain vor Jahren in einem anderen, größeren Zusammenhang. So ganz falsch ist die Umdeutung aber nicht. Beim Omas Teich sind alle zuhause: Ob Städter, Indie-Kid oder – und dann hat sich der Witz hoffentlich erledigt – Rocker Rolf.

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