Der Bürgermeister der Nacht »In Champagnerlaune« / Review

Der Bürgermeister plädiert für einen klugen und ökonomischen Umgang mit den Quellen des Indiepop.

Fynn Steiner und Joachim Franz Büchner haben von den Goldenen Zitronen so manches gelernt. So könnte man beispielsweise annehmen, dass sich das Hamburger Duo seinen Bandnamen Der Bürgermeister der Nacht aus dem Zitronen-Song »Der Bürgermeister« gemopst hat oder dort zumindest die entscheidende Anregung dafür fand.

Suggeriert der Albumtitel In Champagnerlaune spritzige Kapriziosität, klingt die Platte des Bürgermeisters allerdings in erster Linie solide im Sinne eines klugen ökonomischen Umgangs mit vielen Quellen des Indiepop. Es gibt Gitarren, Synthies, Piano, Wave- und ja, auch Krautelemente, dazu Unterstützung von den Hamburger Freundinnen Zucker und den Sternen – alles bestens, eigentlich.

Leider neigt Der Bürgermeister zu unglücklicher Textgestaltung, die mitunter im Kalauer endet. »Ich wollte einen Berg besteigen / Aber all das Geröll«, heißt es in einem Song. Und weiter: »Ich wollte ein Buch lesen / Aber all das Gebrüll«, was bei Sänger Fynn Steiner klingt wie »all das Ge-Böll« – haha. Eine Zeile wie »Seitdem du mich berührst / Berührt mich nichts mehr« wirkt zunehmend weniger originell, je öfter man sie hört, und man möchte dem Bürgermeister raten, nach dem aktuellen Vorbild der Goldenen Zitronen mit deren Eigen-/Neuinterpretationen auf Flogging A Dead Frog mehr auf Instrumentalstücke zu bauen. Gern auch auf psychedelische.

3 KOMMENTARE

  1. leider neigt die rezensentin zu wumbabaartigen hörerlebnissen, die mitunter in
    waghalsigen spekulationen und sich verheddernden referenzschleifen
    enden.

  2. recherche vs. mutmaßungen … kleine fleißaufgabe fuer die rezensentin: stelle die verbindung her zwischen dem bürgermeister-song zum Bürgermeister der Nacht … kleiner tipp http://www.discogs.com/Various-A-Tribute-To-Die-Goldenen-Zitronen/release/2295441 ansonsten entstammt der Bandname als zitat aus einer Folge „durch die nacht mit …“ beteiligte sind mir entfallen, aber frau mohr ist ja per Facebook zumindest mit (ich bin nicht) Joachim Franz Büchner befreundet, da sind die nachfragewege nicht so weit…

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.