Der Bürgermeister plädiert für einen klugen und ökonomischen Umgang mit den Quellen des Indiepop.

Fynn Steiner und Joachim Franz Büchner haben von den Goldenen Zitronen so manches gelernt. So könnte man beispielsweise annehmen, dass sich das Hamburger Duo seinen Bandnamen Der Bürgermeister der Nacht aus dem Zitronen-Song »Der Bürgermeister« gemopst hat oder dort zumindest die entscheidende Anregung dafür fand.

Suggeriert der Albumtitel In Champagnerlaune spritzige Kapriziosität, klingt die Platte des Bürgermeisters allerdings in erster Linie solide im Sinne eines klugen ökonomischen Umgangs mit vielen Quellen des Indiepop. Es gibt Gitarren, Synthies, Piano, Wave- und ja, auch Krautelemente, dazu Unterstützung von den Hamburger Freundinnen Zucker und den Sternen – alles bestens, eigentlich.

Leider neigt Der Bürgermeister zu unglücklicher Textgestaltung, die mitunter im Kalauer endet. »Ich wollte einen Berg besteigen / Aber all das Geröll«, heißt es in einem Song. Und weiter: »Ich wollte ein Buch lesen / Aber all das Gebrüll«, was bei Sänger Fynn Steiner klingt wie »all das Ge-Böll« – haha. Eine Zeile wie »Seitdem du mich berührst / Berührt mich nichts mehr« wirkt zunehmend weniger originell, je öfter man sie hört, und man möchte dem Bürgermeister raten, nach dem aktuellen Vorbild der Goldenen Zitronen mit deren Eigen-/Neuinterpretationen auf Flogging A Dead Frog mehr auf Instrumentalstücke zu bauen. Gern auch auf psychedelische.