Department Of Eagles / The Acorn

Der Kollege vom Radio hätte es jetzt leicht. Er müsste lediglich ankündigen, dass nun ein Lied von Department Of Eagles komme, der Band, die ihr aktuelles Album »In Ear Park« mit Dreivierteln von Grizzly Bear eingespielt hat. Das Lied heißt »Phantom Other« und beginnt mit akustischer Gitarre, über die sich die stets leicht eingeschnappt klingende Stimme von Daniel Rossen legt. »What would it take to make you learn? What would it take to make you leave? What would it take to make you listen?« Ein mit Hall unterlegtes Schlagzeug kommt hinzu, einige gesampelte Seufzer, schließlich der betörende Akustikbass. Dann wird es laut und kurz elektrisch. Die emotionale Eruption verdeutlicht die Dringlichkeit der Lage, während der Radiohörer einfach zuhört und durch das Fenster den Blättern beim Fallen zusieht. Und diese Musik ganz einfach versteht.

    Wie schon Grizzly Bears wunderbares Album »Yellow House« ist auch »In Ear Park« ein verträumtes, schwärmerisches Album. Zur weltabgewandten Stimmung trägt bei, dass »In Ear Park« in einer Kirche in Greenpoint, Brooklyn, New York, aufgenommen wurde. Die Platte ist Daniel Rossens im vergangenen Jahr verstorbenem Vater gewidmet: im Ear Park in Los Angeles gingen beide regelmäßig spazieren.
 
    Klang »Yellow House« noch so, als hätten Brian Wilson und Syd Barrett eine Woche lang in einem Studio an Songs gebastelt, diese zerstückelt und die Teile bunt zusammengewürfelt, gehen Rossen und Fred Nicolaus mit ihren Kompositionen für Department Of Eagles einen geraderen Weg. Seltenere Rhythmuswechsel, Refrains, die sich tatsächlich wiederholen, und auch ein bisschen weniger Euphorie. Die Texte und Stücke, so sagt Daniel Rossen, seien ihm für Grizzly Bear zu persönlich gewesen. Wie in der New York Times stand, hat er die zwischenzeitlichen Differenzen mit Edward Droste ausgeräumt. Droste ist der einzige von Grizzly Bear, der nicht bei »In Ear Park« mitgewirkt hat, und äußert sich ohne Groll und erfreut, dass sich seine Kollegen wieder voll und ganz auf den Nachfolger von »Yellow House« konzentrieren können: es soll im kommenden Frühjahr erscheinen.

The Acorn - Glory Hope Mountain    Soeben veröffentlicht wurde das neue Album von The Acorn. Wieder ein dem weiten Feld der Flora und Fauna entnommener Bandname (Eichel), und wieder verweist der Titel außer auf Natur auf die Biographie des Hauptsongschreibers: »Glory Hope Mountain« liest sich unschwer als freie Übersetzung von Gloria Esperanza Montoya – so heißt die Mutter von Sänger Rolf Klausener, die von Honduras nach Kanada emigrierte und deren Lebensgeschichte der Sohn mit dieser Platte ein Denkmal setzt.

    Bis zum von Keyboarderin Keiko Devaux gesungenen »Lullaby (Mountain)«, das früher vielleicht Rolf Klausener selbst in den Schlaf wiegte, geht es mit Streichern, Banjo, Steel-Gitarre, Marimbas und Background-Chören durch das Album. Manchmal erinnert der Folk-Pop von The Acorn an den der kanadischen Kollegen von Arcade Fire, zitiert oder kopiert ihn aber nie.

    Die Parallele liegt in der Spielfreude der Band, die zur Folge hat, dass es auf und ab geht auf dieser Platte. Dadurch wird auch der Verlauf eines Einwandererlebens stimmungsvoll und glaubhaft abgebildet. Das starke »Crooked Legs« und das beschwingte »Antenna«, das dem Instrumental »Sister Margaret« folgt, betonen den entscheidenden Teil im Dreiklang »Glory Hope Mountain«: Es ist die Hoffnung, die uns trägt, auf jeden Berg und darüber hinaus. Wir müssen immer weiter.

LABEL: 4AD / Beggars Group / Bella Union / Cooperative Music

VERTRIEB: Indigo / Universal Music

VÖ: 24.10.2008

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