Denken in renitenten Parolen

Gekommen, um sich irgendwie zu beschweren: Mit Militärmarsch-Punk und Arroganz säen 1000 Robota in Hamburg Hass. Das Debütalbum des Trios ist gerade erschienen.

1000 Robota
3 Robota: Sebastian Muxfeldt, Anton Spielmann und Jonas Hinnerkort (v.l.n.r.)

(Foto: © Sönke Held / SPEX)

»Hamburg brennt«, lautete der krawallige Titel der im letzten Februar erschienenen Debüt-EP von 1000 Robota. Im Unterschied zu: »Schöne Landungsbrücken« oder »Bierchen an der Alster«, wie heutzutage sonst bei Hamburg-Bands wie Kettcar oder Tomte getextet wird. Die Musik dazu hat man sich vorzustellen als Gitarrensplitter und lautes Gerufe wie bei den (jungen) Gang Of Four; im Sekundentakt feuern 1000 Robota Parolen mit Klospruchqualität. Wir fühlen: Endlich wieder Punkrock.

    Die drei Mitglieder von 1000 Robota sind so jung wie Jimi Blue Ochsenknecht, aber ihre kontextuelle Orientierung ist eine andere: Sie wollen nicht in die Bravo, sie waren schon im NME. Sie wollen auch auf keinen Fall in die Hamburger Schule, die es ohnehin nicht mehr gibt. Ihr Sänger Anton Spielmann sucht vielmehr eine Nähe zu Kristof Schreuf und Jochen Distelmeyer, die sich ebenfalls zu keiner Zeit mit diesem unglücklichen Etikett wohlgefühlt haben. Einen Redakteur der Intro, der für ein Showcase der Band nach London eingeflogen wurde, haben 1000 Robota, so zumindest die Legende, in kürzester Zeit mit mustergültiger Popstar-Arroganz dermaßen zur Weißglut getrieben, dass dieser sich umgehend wieder in die Londoner Nacht verabschiedete (»Ihr Wichser!«). Angeblich zieht auch Tomte-Sänger Thees Uhlmann, wo er steht und geht, über die Band her: »Das Geld ihrer Eltern stinkt bis auf die Bühne«, soll er gesagt haben. Toll: Hype, Wut und Klassenkampf! In Deutschland ging es schon lange nicht mehr zu wie in England.

VIDEO: 1000 Robota – Mein Traum

    1000 Robota sind vor allem: Anton Spielmann, das wird schnell klar, wenn man der Band begegnet. Anton sieht aus wie ein Julian Casablancas von der Elbe und trägt seinen Anzug mit jener gewinnenden Mischung aus Nachlässigkeit und Konturschärfe. Der Typ ist smart, ultracharismatisch, und wenn einer der beiden anderen mal zu einer Aussage ansetzt, wird sie garantiert von Spielmann zu Ende gebracht. Der Mann denkt und spricht in renitenten Parolen wie: »Wir haben kein Problem«, oder: »Wir wollen anklagen«. Aus all dem, was da durcheinander seinen Mund verlässt, bastelt man sich als Chronist zusammen: 1000 Robota sind, wie einst Tocotronic, denen die Band nahesteht wie keiner anderen in Hamburg, gekommen, um sich zu beschweren. Einzig: Sie wissen nicht genau, über was eigentlich.

    »Jung, deutsch und auf dem Weg nach oben«, wollten Tocotronic einst unbedingt nicht sein, 1000 Robota hingegen sagen: »Wenn wir zur EM eine Deutschlandfahne an irgendeinem Auto sehen, dann denken wir eben nicht an Adolf Hitler, sondern an Lukas Podolski.« Den Preis für die Vereinfachung komplexer Sachverhalte zahlt das Trio gerne: »Was will man denn schon sagen, außer das, was man fühlt«, singt Spielmann auf dem im September endlich erschienenen Debütalbum »Du nicht er nicht sie nicht« mit Nölstimme zu Stakkato-Riffs und einem Schlagzeug, das immer ein wenig nach Militärkapelle klingt. Das Markenzeichen der Band sind schlaue Slogans, die immer auch als Frage lesbar sind: »Was ist dein Leben wert, ohne das, was grad geschieht?« Im Feuilleton wird es heißen: »1000 Robota transportieren das Jetzt-Gefühl einer Jugend zwischen Anpassung und Aufbegehren.« In Spex hingegen heißt es: 1000 Robota setzen dem Indiespießertum eine nietzscheanische Neubewertung der Welt entgegen, samt gerade so viel reinem Trotz, dass dieser noch auf die eigene Spätpubertät geschoben werden kann.


Das Album »Du nicht er nicht sie nicht« von 1000 Robota ist bereits erschienen (Tapete / Indigo). Derzeit sind 1000 Robota auf Tour – alle Termine finden sich hier.

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