Die Soul-Sängerin Denai Moore aus London könnte uns dank ihrer außergewöhnlichen Stimme noch lange begleiten. Demnächst veröffentlicht sie ihre neue EP.

Moore ist jung. 19 Jahre. Ihre Stimme klingt jedoch, als hätte sie schon alles gesehen. Facettenreich, ausdrucksstark, gleichermaßen mutig und verletzlich. Man vertraut ihr, nickt anerkennend oder schweigt und lauscht. Dabei singt sie nichts Visionäres. Nichts, das ihrer Zeit oder ihrem Alter voraus wäre. Man hört von Emotionen und Erlebnissen einer jungen Frau. Kein Anecken, keine unangenehme Weitsicht, keine menschlichen Abgründe. Alles lieb, alles noch verschmerzbar, denn: Ihre Magie ist ihr Talent. Und ihr Talent lässt ihr eine Menge Headroom.

Die auf Jamaika geborene Sängerin zieht mitsamt Familie als 10-Jährige nach Stratford, London. Sie beginnt früh sich mit Musik zu beschäftigen, ist verrückt nach Lauryn Hill. Weitere Inspirationsquellen findet sie später in Künstlern wie Feist und Bon Iver. Auch James Blake hört man in Songs wie »Gone« durch ihre Piano- und Gesangskompositionen geistern. Dementsprechend gibt sie ihrer Musik zwecks Kategorisierung Namen wie »Singer-Songwriter Acoustic Folk Soul« oder einfach »Folksoul«.

Mit ihrer Debüt-EP Saudade (ein schönes, portugiesisches Wort für eine »universelle Sehnsucht«, respektive »Weltschmerz«) aus dem April hat sie einen gefühlvollen und vielversprechenden Start hingelegt. Die angenehm raue Produktion kommt aus den Urchin-Studios von Matt Ingram und Dan Cox in London. Es kamen die Veröffentlichung auf Because Music (Metronomy, Django Django, Keziah Jones etc.) und Support-Auftritte für u.a. Graham Coxon, Iron & Wine und Tom Odell.

Die nächste EP The Lake, deren Titelsong sowie das Stück »Everything« schon veröffentlicht wurden, erscheint am 4. November. Hoffentlich folgt bald ein Album. Und im besten Fall wächst dann mit dem Alter die Beobachtungsgabe und mit der Beobachtungsgabe die Präzision des musikalischen Ausdrucks.

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