Dem Diktat nicht unterwerfen

röffentlicht wurde, stellt eine Frage aus der Krisenregion akuter weiblicher Existenzsorgen zwischen gesundem Selbstbewusstsein und ungesundem Ehrgeiz ohne Fragezeichen in den Raum. Die Protagonistin des Buches gehört zum Kreis jener »Fräuleins«, die nach dem Ersten Weltkrieg z.B. als Sekretärinnen die Möglichkeit zur Ausübung eines lukrativen Berufes wahr nahmen. Sie erfahren eine Aufwertung als Subjekte, sind allerdings den Männern am Arbeitsplatz vor allem zu Diensten, und somit zugleich begehrensewerte »neue« Objekte. Womöglich sind sie dadurch tatsächlich schon einen Schritt weiter in Sachen Hosenanhaben. Selbst aus feministischer Perspektive mag der Roman jedoch vereinzelt irritiert oder gar negativ aufgefasst werden, da er das kaputte Geschlechterrollenspiel tief in der kaputten Gesellschaft verortet, wodurch die literarisch brillante Kritik vor allem zur Kritik des Kapitalismus/Faschismus gedeiht, innerhalb dessen es eigentlich keine Befreiung für nichts und niemanden geben kann. Diese in nüchterne Form gegossene Ambivalenz maximaler Sehnsüchte und darin geborgener Forderungen wäre auch ein schönes Thema für die WORKING GIRLS-Tagung in München gewesen, kombiniert mit Betrachtungen zu zeitgenössischen Werken wie Marlene Streeruwitz’ »Jessica,30.« oder Kerstin Grethers »Zuckerbabys« – passend zum Rahmen, der die heutige »Ökonomisierung von Liebe und Sexualität auf der einen und die Romantisierung von Arbeitsverhältnissen auf der anderen Seite« konstatiert, um innerhalb dieser (neoliberalen) Konstellation aus ihr hervorgehende Aufgabenstellungen anzugehen. Die WORKING GIRLS aber haben auch eine umfassende Filmgeschichte, und die soll hier im Vordergrund stehen. Am Freitag, den 25. Februar eröffnet die Tagung mit Dorothy Arzners »Working Girls« (USA, 1931). Verena Mund wird nicht nur in diesen Film einführen, sondern noch in Jacques Devals »Club de Femmes« (FR, 1936) und William Thieles »Die Privatsekretärin« (DE, 1931). Am Samstag, den 26. Februar hält sie einen Vortrag zum Thema »Working Girls in Vorspännen und filmischen Rahmenerzählungen«. Die verschiedenen Vorträge (u.a. Rembert Hüser zu »Ansichtskarte Girl«) und Vorführungen bis Montag sind diversen Oberthemen untergeordnet: »Leaving Home«, »Girl-Tourismus«, »Zum Diktat«, »Bildeffekte«, »Betriebsphantasien« sowie »Show-Business« – Zwischenstationen moderner und »postmoderner«, feministischer und »postfeministischer« Karrieren und Biografien
Der erste Roman Mela Hartwigs hatte im Titel übrigens Friedrich Hebbel zitiert: »Das Weib ist ein Nichts«. An vier Tagen wird in München auf akademischer Basis darüber gesprochen werden, wieviel Arbeit seit langer Zeit in die Emanzipation der Frau in der Gesellschaft investiert worden ist, und welche Bilder dieser Arbeit die Kunst festgehalten hat. Bis hin zu Ally McBeal, Sex and the City oder der Sarah Kuttner Show und zurück zu »tragischen« Heldinnen wie Mela Hartwigs Figuren gilt es in der Tat, auf viele sichtbare Beispiele, die sich dem Nichts-Sein auch heute noch offensiv verweigern müssen, aufmerksam zu machen.

»Working Girls – Zur Ökonomie von Liebe und Arbeit in der Moderne«. Interdisziplinäre Tagung vom 25. Februar bis 28. Februar 2005 im IBZ, Amalienstraße 38, München. Die Filmvorführungen finden im Filmmuseuem statt. Die Tagung ist öffentlich. Um Anmeldung per e-mail wird gebeten.

Der Titel des Romans »Bin ich ein überflüssiger Mensch«, den die Schriftstellerin Mela Hartwig Anfang der 1930er Jahre verfasste, der allerdings erst 70 Jahre später im Droschl Verlag veröffentlicht wurde, stellt eine Frage aus der Krisenregion akuter weiblicher Existenzsorgen zwischen gesundem Selbstbewusstsein und ungesundem Ehrgeiz ohne Fragezeichen in den Raum. Die Protagonistin des Buches gehört zum Kreis jener »Fräuleins«, die nach dem Ersten Weltkrieg z.B. als Sekretärinnen die Möglichkeit zur Ausübung eines lukrativen Berufes wahr nahmen. Sie erfahren eine Aufwertung als Subjekte, sind allerdings den Männern am Arbeitsplatz vor allem zu Diensten, und somit zugleich begehrensewerte »neue« Objekte. Womöglich sind sie dadurch tatsächlich schon einen Schritt weiter in Sachen Hosenanhaben. Selbst aus feministischer Perspektive mag der Roman jedoch vereinzelt irritiert oder gar negativ aufgefasst werden, da er das kaputte Geschlechterrollenspiel tief in der kaputten Gesellschaft verortet, wodurch die literarisch brillante Kritik vor allem zur Kritik des Kapitalismus/Faschismus gedeiht, innerhalb dessen es eigentlich keine Befreiung für nichts und niemanden geben kann. Diese in nüchterne Form gegossene Ambivalenz maximaler Sehnsüchte und darin geborgener Forderungen wäre auch ein schönes Thema für die WORKING GIRLS-Tagung in München gewesen, kombiniert mit Betrachtungen zu zeitgenössischen Werken wie Marlene Streeruwitz’ »Jessica,30.« oder Kerstin Grethers »Zuckerbabys« – passend zum Rahmen, der die heutige »Ökonomisierung von Liebe und Sexualität auf der einen und die Romantisierung von Arbeitsverhältnissen auf der anderen Seite« konstatiert, um innerhalb dieser (neoliberalen) Konstellation aus ihr hervorgehende Aufgabenstellungen anzugehen. Die WORKING GIRLS aber haben auch eine umfassende Filmgeschichte, und die soll hier im Vordergrund stehen. Am Freitag, den 25. Februar eröffnet die Tagung mit Dorothy Arzners »Working Girls« (USA, 1931). Verena Mund wird nicht nur in diesen Film einführen, sondern noch in Jacques Devals »Club de Femmes« (FR, 1936) und William Thieles »Die Privatsekretärin« (DE, 1931). Am Samstag, den 26. Februar hält sie einen Vortrag zum Thema »Working Girls in Vorspännen und filmischen Rahmenerzählungen«. Die verschiedenen Vorträge (u.a. Rembert Hüser zu »Ansichtskarte Girl«) und Vorführungen bis Montag sind diversen Oberthemen untergeordnet: »Leaving Home«, »Girl-Tourismus«, »Zum Diktat«, »Bildeffekte«, »Betriebsphantasien« sowie »Show-Business« – Zwischenstationen moderner und »postmoderner«, feministischer und »postfeministischer« Karrieren und BiografiennDer erste Roman Mela Hartwigs hatte im Titel übrigens Friedrich Hebbel zitiert: »Das Weib ist ein Nichts«. An vier Tagen wird in München auf akademischer Basis darüber gesprochen werden, wieviel Arbeit seit langer Zeit in die Emanzipation der Frau in der Gesellschaft investiert worden ist, und welche Bilder dieser Arbeit die Kunst festgehalten hat. Bis hin zu Ally McBeal, Sex and the City oder der Sarah Kuttner Show und zurück zu »tragischen« Heldinnen wie Mela Hartwigs Figuren gilt es in der Tat, auf viele sichtbare Beispiele, die sich dem Nichts-Sein auch heute noch offensiv verweigern müssen, aufmerksam zu machen. nn»Working Girls – Zur Ökonomie von Liebe und Arbeit in der Moderne«. Interdisziplinäre Tagung vom 25. Februar bis 28. Februar 2005 im IBZ, Amalienstraße 38, München. Die Filmvorführungen finden im Filmmuseuem statt. Die Tagung ist öffentlich. Um Anmeldung per e-mail wird gebeten.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.