Debütalbum von Vampire-Weekend-Bassist Baio rückt mit neuem Stück »Sister of Pearl« näher

Vampire-Weekend-Bassist Chris Baio hat mit »Sister of Pearl« den zweiten Song seines für September angekündigten Solodebüts The Names im Stream frei gegeben – halb Disco, halb vampire-esk.

Meint er das ernst, fragte mancher, als es Ringo Starr nach der Auflösung der Beatles tatsächlich schaffte, auf eigene Faust und ohne Grund und dazu noch ohne die geringsten Anzeichen von Ironie, einige der schlechtesten Songs der Rockgeschichte zu produzieren. Ein Menetekel, das jedem Soloableger, der aus der Backline einer erfolgreichen Band sprießt, Warnung sein sollte: Just don’t ringo it up.

Chris Baio, selbst großer Beatles-Connaisseur und -Zitierer, scheint sich dieses konkludente Mantra zum Vorsatz genommen zu haben und arbeitete deshalb sehr behutsam an seinem Soloprojekt. Über Jahre hat er, während der Rest von Vampire Weekend schon Backstage feierten, noch DJ-Sets an die Gigs gehängt und zwischen den Konzerten heimlich und allein im Hotelzimmer das Mischen und Sampeln geübt.

Genauso bedacht, und im Gegensatz zu Ringo mit ironischen Gesten geharnischt, veröffentlicht er dann auch seine ersten beiden EPs Sunburn und Mira. Kleine Testläufe, nicht gerade weltbewegend, aber eben auch nicht schlecht, ja sogar überraschend erfrischend (seit jeher das Vampire-Weekend-Attribut schlechthin). Bestärkt durch diese kleinen Achtungserfolge kommt nun endlich doch der große Schritt: Für September kündigt Baio sein Solodebüt an. Keine reine Disco-House-Platte soll es mehr werden, er will auch singen. Oh là là: Ringo, ick hör dir trapsen.

Doch Baio ist eben cleverer und schickt mit beinah abtuendem Gestus voraus, es handle sich schlicht um »Bowie and Ferry-influenced pop songs and dumbsmart arena techno«. Das klingt doch spaßig und ganz frei von Starr’scher Egomanie. Mit »Brainwash Yyrr Face« und »Sister of Pearl« gibt er dazu zwei Songs vorab im Stream frei, die ohne anzuecken sehr schön anzuhören und dazu vorerst noch in vertrauten Gefilden angesiedelt sind.

So ist bei Ersterem noch stark der Sound seiner House-EPs präsent, während letzterer auch gut ein Track von einem neuen Vampire-Weekend-Album sein könnte – wobei sein gesangliches Kokettieren mit dem Britischen noch eine ganz eigene, ironische Note beibringt. Jedenfalls macht Baio mit diesem hybriden Sound berechtigte Hoffnungen auf ein Debüt, das einen am Ende mit vertikalem statt horizontalem Kopfschütteln sagen lassen wird: ja, das meint er ernst.

The Names Tracklist
01.) Brainwash yyrr Face
02.) The Names
03.) Sister of Pearl
04.) I Was Born in a Marathon
05.) Needs
06.) All the Idiots
07.) Matter
08.) Endless Rhythm
09.) Scarlett

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