Wenn der Alltag unerträglich wird, dann setze ich meistens Kopfhörer auf. Große, runde Kopfhörer. Dann drehe ich die Lautstärke so weit auf, bis um mich herum alles ganz still wird. Bis die Welt nur noch aus Berührungen und Wetter, aus Bildern und Gerüchen besteht. Wenn es ganz ruhig ist, wirkt Musik kleine Wunder. »I wish we could open our eyes / to see in all directions at the same time / Oh what a beautiful view / If you were never aware of what was around you«. Und schon ist es wieder passiert: Ben Gibbard legt mir wieder Worte in den Mund, die ich nur noch selber aussprechen müsste. Dass Death Cab For Cutie alle Wahrheiten so treffend formulieren können, liegt natürlich nicht nur an Gibbard alleine, sondern ebenso an den teilweise brillanten Arrangements der gesamten Band. Nur ist er es eben immer selbst, der schon durch so viele Höllen gegangen zu sein scheint. Der diese ganze Schmerz-Glück-Kiste schon x-mal durchlebt hat. Und Pläne? Für die Zukunft? Teil 1 – Geld verdienen – ist mit dem Wechsel zu Atlantic Records wohl gelungen. Wie weiter? So wie bisher? Oder anders? Bedingt Teil 1 vielleicht sogar Teil 2: ein Album aufzunehmen, das mindestens größer als »Transatlanticism« werden muss? Weil man sonst ewig in der Vergangenheit abhängt? Wie auch immer die Antworten darauf sein mögen: Unterwegs ist die Welt gerade still. Und aus der Stille dringen Kleinigkeiten. Anfänglich an mir vorbeirauschende Details. Dann aber mehr. In »Different Names For The Same Thing« knackt das Holz eines Kaminfeuers. Gibbard atmet zu Beginn von »I Will Follow You Into The Dark« hörbar schwer. Dezent minimales Harfenzupfen in »Brothers On A Hotel Bed«. All das sind nur Spielereien am Rande eines großen Indie-Pop-Albums, das im Gegensatz zu früher noch liebevoller produziert ist. Das mich von Weg zu Weg tiefer in sich blicken lässt. Das atmet. Das fühlen lässt. Das lebt.

LABEL: Atlantic Records

VERTRIEB: Warner Music

VÖ: 29.08.2005