Death Cab For Cutie Narrow Stairs

Sie haben es geschafft. Daheim in den Staaten ist die Platte tatsächlich von 0 auf 1 in die Billboard-LP-Charts eingestiegen. Death Cab For Cutie, die sich in Interviews immer noch gegen jede Vergleiche mit R.E.M. sträuben, verkaufen so viele Platten wie nie. Die guten, alten ›Indie-Zeiten‹ von »Transatlanticism« sind längst passé, und tatsächlich klingt »Narrow Stairs«, ihre zweite Platte beim Major Atlantic Records (Warner Music), ihre siebte insgesamt, abgebrühter, ausgeklügelter, durchgewaschener als jede ihrer anderen Platten zuvor. So, wie man sich ein Großwerk einer Band vorstellt, die aus den Schrammelzeiten raus sind und nicht mehr diese 1a-Radioware wie noch bei »Plans« machen wollen. Kann natürlich auch schief gehen, dieser Ansatz.

    Auf »Narrow Stairs« finden ausufernde Strukturen, wilde Klänge, mürrische Bassläufe, Effekte eimerweise, ausladende Songs, die zwielichtige Begrifflichkeiten wie ›Ambition‹ in den Vordergrund stellen. Poppig, einfach, geradeaus ist hier jedenfalls nichts. Worauf sich Death Cab For Cutie aber immer verlassen können: auf die Tragweite der lieblichen Stimme Ben Gibbards. Wenn der allerdings von Brüchen und Unwägbarkeiten oder der Drohkulisse Liebesbeziehung singt, ahnt man, dass es nicht weit her sein kann mit der Lieblichkeit.

 

Death Cab For Cutie – Narrow Stairs (Atlantic Records / Warner Music)

    »Narrow Stairs«, schmaler werdende Stufen, der Titel des Albums ist Programm. Alles wird schmaler, alles wird enger, wie bei der Maus und der Katze bei Kafka. Man könnte auch sagen: Die Zeit der juvenilen Unbekümmertheit ist vorbei, die Haare fallen aus, dafür wächst der Bauch, und die Frage »Familie oder nicht?« wurde entweder nebenbei ohne sie entschieden oder steht eben noch aus. Probleme von Männern ab dreißig. »No Sunlight«, Stück drei, das erste sozusagen melodiösere des Albums. Zuvor gab es zwei Monster, »Bixby Canyon Bridge« und »I Will Possess Your Heart«. »Cath« ist eines der wenigen ›typischen‹ Stücke, »Talking Bird« und »Grapevine Fires« sind schmeichelnd schielende Popnummern in großem Gewand. Insgesamt sind es elf Stücke, Abschluss der Platte ist »The Ice Is Getting Thinner«. Da ist schon alles gesagt.

    Was DCFC hierzulande machen, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Nett kann man sie immer finden, dass sie jetzt auch versuchen, böse zu sein, kann ihnen nur gut tun. Aber hier läuft »O.C., California« nicht zur Primetime und Vergleiche mit R.E.M. oder U2 gelten eher als Abschreckungssignale. Ein formidables Werk, im Wortsinn, ist »Narrow Stairs« in jedem Fall.

LABEL: Atlantic Records

VERTRIEB: Warner Music

VÖ: 16.05.2008

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