Ein Hauch von Tod umwittert die Messehallen 5 bis 8 in Köln. Das "wichtigste Branchentreffen des Jahres" siecht dahin.
Erste Eindrücke machen Angst. Kommunizierten die Standburgen in den letzten Jahren trotzig das teilweise unerträglich große Ego noch größerer Plattenfirmen, kann man in diesem Jahr schon mal den ein oder anderen Giganten übersehen. Reichlich desorientiert steht Medienpartner bei Medienpartner, sie lutschen Weingummi und jammern, was das Zeug hält. Positivität? Aufbruchstimmung? Sollte jemand in der öffentlichen Berichterstattung diese Worte in den Mund nehmen, sind sie schlicht gelogen. Nach gut 15 Minuten hat man die Stände durchwandert und alle Bekannten getroffen. Also hinein in Halle 8, zur "PopKomm.public". Inmitten alienartiger Stände von Die Bahn, Vodaphone oder Xelibri scharren sich Jugendliche um eine Trutzburg von Universal, die mit ihrem Motto "Es geht um Musik" hoffnungsfrohe Talente dazu animieren, ihre Demos über den Counter zu schieben. Ein Ausblick auf Kommendes schallt einem von der Spoken Word Bühne entgegen, wo Sarah Kuttner, einer Grußpostkarte aus Berlin-Mitte gleich, "im Bett mit [insert any Popstarletts here]" plauscht. Komplettiert durch improvisierte Wegweiser aus Klebeband, fehlende Veranstaltungshinweise für die Bühne im ersten Stock (wo sich Silly Walks oder die Beginner vor 150 Leuten in einer Halle mit Fassungsvermögen für 2000 präsentieren) macht die diesjährige Messe für Popmusik den Eindruck einer Pflichtveranstaltung ohne Veranstaltersupport. Das finale Ausbluten nach 11 Jahren, in Zeiten, da Janko Röttgers in seinem Buch "Mix, Burn & R.I.P. – das Ende der Musikindustrie" ( http://www.mixburnrip.de ) selbiges beschreibt. Oder beschreit? Nein, wer diese Messe in der Zusammenschau mit denen der letzten Jahre erlebt, muss sich nichts mehr schlecht reden. Fortsetzung: "PopKomm und Berlin. Dead Men Walking".