Der bleiche König, David Foster Wallace‘ posthum veröffentlichtes Spätwerk, erscheint am 7. November auf Deutsch. Sein Verlag startet nun ein Social Reading mit bekannten Experten, Autoren und der restlichen Lesegemeinde.

Als Foster Wallace sich am 12. September 2008 im Alter von 46 Jahren das Leben nahm, befand er sich mitten in der Arbeit an seinem neuen Roman The Pale King. Liebevoll hatte er dessen Manuskript neben seinem Abschiedsbrief drapiert. Drei Jahre später erschien der unfertige Roman auf Englisch – und wurde zum Bestseller. Nun, wieder fast drei Jahre später, wird endlich eine Übersetzung von Ulrich Blumenbach veröffentlicht.

Zu diesem Anlass startet Kiepenheuer & Witsch ein sogenanntes Social Reading. Dabei lesen Foster-Wallace-Experten schon vorab den Roman und teilen ihre Eindrücke seit gestern auf der eigens eingerichteten Seite www.derbleichekoenig.de, sowie über Twitter und auf Facebook. Rabea Edel, Elmar Krekeler, Clemens Setz, Stefan Mesch, Hilmar Schmundt, Guido Graf und Ulrich Blumenbach gehören zu diesem Kreis. SPIEGEL-Redakteur Schmundt macht sich zum Auftakt etwa über das mögliche Leitmotiv des Buches Gedanken.

Der Verlag versteht dies ausdrücklich nicht als Spoiler, sondern möchte mit der Aktion nach eigenen Angaben den Appetit der Leser auf den kompletten Roman anregen. Diese dürfen dann selbstverständlich ebenfalls mitlesen, -verstehen und -kommentieren.

Eine lohnende Form zur Steigerung der Verkaufszahlen, denkt man einerseits. Wer den Braten gerochen hat, der neigt dazu, ihn auch essen zu wollen. Andererseits orientiert sich der Verlag mit diesem Konzept an extrem erfolgreichen Modellen des Social Readings wie Goodreads, Readmill oder Lovelybooks, die in den letzten Jahren immer mehr Lesern nutzen. Und schon 2009 hatte man, ebenfalls mit einer posthumen Wallace-Veröffentlichung, nämlich Unendlicher Spaß, eine Website mit ähnlichem Konzept gestartet, auf der hunderte Leser gemeinsam den Roman lasen.

Seither hat die Bewegung des kollektiven Lesens, gerade mit dem Aufstieg mobiler Endgeräte, erheblich an Fahrt gewonnen. Man darf also gespannt sein, welches Leseerlebnis sich bei diesem Projekt einstellen wird. Ob viele Meinungen und Interpretationen dieses am Ende trüben oder verbessern, wird sich in den nächsten Monaten herausstellen. Ein interessantes Konzept ist es allemal – und am Ende steht mit hoher Wahrscheinlichkeit so etwas wie eine demokratisierte Version der Reclam-Interpretationshilfen.

Jetzt weiter auf SPEX.de: David Foster Wallace‘ Das Hier Ist Wasser, Sven Regener im Interview über Karl Schmidt.