David Eugene Edwards & Alexander Hacke „Risha“ / Review

Auf Risha sind mit Neubautens Alexander Hacke und Wovenhands David Eugene Edwards zwei Künstler am Werk, deren Kunst jeweils für sich schon höchst bedeutungsschwanger und reizüberflutend ist.

Islamische Mystik, arabische Sprache und Kalligraphie, das Instrumentarium des Nahen Ostens: Allerorten wenden sich Künstlerinnen in den letzten Jahren verstärkt dem Orient zu. Nun hat dieser Zeitgeist mit David Eugene Edwards und Alexander Hacke zwei große Mystiker der Westens erfasst. Edwards, Gründer der abseitigen Goth-Country-Gruppe 16 Horsepower und einziges festes Mitglied von Wovenhand, wuchs in Denver bei seinem streng evangelikal-christlichen Großvater auf. Bis heute vermischt er in seiner Kunst christliches Sendungsbewusstsein mit seiner Faszination für die Mystik der Ureinwohner Amerikas. Hacke dagegen ist als Einstürzende-Neubauten-Urgestein in der Industrial Music beheimatet. Seiner mystischen Ader ließ er bisher vor allem mit Ehefrau Danielle De Picciotto in Form von wuchtig-düsteren Instrumentalstücken freien Lauf, zuletzt auf dem grandiosen Album Menetekel.

ein sperriger Brocken.

Schon seit den frühen Neunzigern wollten Edwards und Hacke ein gemeinsames Album machen, ein paar Dekaden später ist es nun endlich so weit: Risha, arabisch für „Feder“. Ein Titel, der nur ironisch verstanden werden kann. Zwar kommt das Album nicht ganz so dunkelgrollend daher, wie es etwa Menetekel tat, doch ein sperriger Brocken ist es allemal. Den Country- und Folk-verwurzelten Akustikgitarren des US-Amerikaners stellt Hacke mal atmosphärische Elektronik, mal krachige Gitarrenwände zur Seite. Das hat häufig eine bedenkliche Nähe zum Crossover-Experiment. Die Vermischung der schamanistisch-urgründlichen Sounds beider Musiker zündet, wie beispielsweise in „Kiowa 5“, nur selten. Sonst bewegt sie sich leider allzu häufig hin zu fadem Ethno-Kitsch.

Das ist symptomatisch für dieses Album: Auf Risha sind zwei Künstler am Werk, deren Kunst jeweils für sich schon höchst bedeutungsschwanger und reizüberflutend ist. Ein paar große Stücke wie „Parish Chief“ und „Teach Us To Pray“ kommen dabei zwar heraus. Auf ganzer Länge will Risha jedoch zu viel – und schlittert immer wieder in Richtung belanglosem Pathos.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.