David Delfin

daviddelfin1Wenn die berühmten Modedesigner in ihren Defilées heutzutage Entwürfe präsentieren, die im Prinzip untragbar sind, wundert man sich nicht mehr. Längst weiß man, dass das Gezeigte mit den Kollektionen, die später in den Läden hängen werden, nur am Rande zu tun hat und – so erklären die Designer gerne – stellvertretend für den ›Geist‹ der Kollektionen steht. Ermöglicht wird diese Praxis durch die finanzkräftigen Luxuskonzerne wie LVMH oder die Gucci-Gruppe, die diese Schauen und das mit ihnen erregte Aufsehen als Werbung für ihre Labels betrachten. Wenn David Delfin, ein unabhängig arbeitender und außerhalb seiner Heimat noch weitgehend unbekannter spanischer Modedesigner, seine Models bei der Modewoche in Madrid in graue Filzdecken gehüllt oder mit Thonetstühlen auf dem Rücken über den Laufsteg schickt, wundert man sich: Wer bezahlt das? Ist das ernst gemeint? Und vor allem: Ist das statt Mode nicht vielmehr Kunst? David Delfin fand in der Tat erst über den Umweg Kunst ins Modegeschäft und begreift sein Schaffen vielleicht deshalb etwas subversiver als üblich. Aufsehen auch außerhalb Spaniens erregte der Designer, dessen Kollektionen in Deutschland bislang nicht zu kaufen sind, im vergangenen Jahr mit einer von Militäruniformen inspirierten Kollektion, die in vielen Augen etwas zu sehr nach Nazi-Chic aussah. Ein Gespräch mit Delfin über politische Unkorrektheit, Joseph Beuys, das Arbeiten im Kollektiv und seine Maxime »Selbstverwirklichung ist gesund«.


Señor Delfin, zum ersten Mal wurden wir auf Ihre Mode aufmerksam, als die spanische Zeitschrift Neõ2 im vergangenen Jahr ein großes Feature über Sie abdruckte. Sie wurden vorgestellt als Designer, der sich von den Uniformen und der Ästhetik der Nazis inspirieren ließ.

    Von der Ästhetik des Militärs – nicht von der Ästhetik der Nazis. Diese Unterscheidung ist mir wichtig. Sie ist mir deshalb so wichtig, weil ich ja gar nicht aus der Fashion-Industrie komme, sondern aus der bildenden Kunst. Käme ich aus der Modewelt, würde ich als Designer vielleicht den Skandal suchen und mit meinen Kollektionen einfach nur provozieren wollen. Tatsächlich war ich es aber seit langem gewohnt, meine Arbeiten in Kunstgalerien zu zeigen. Das erlaubt mir eine ganz andere Herangehensweise an die Mode. In der Mode bewege ich mich erst seit fünf Jahren.

Hatten Ihre künstlerischen Arbeiten bereits etwas mit Mode zu tun?

    Ich habe Bilder gemalt, auf denen ich Kleider gezeigt habe. Die Affinität zur Mode war damals schon ganz klar gegeben. Ich wollte in der  Fashion-Industrie arbeiten. Heute sage ich: Ich habe nicht die Mode gesucht, die Mode wählte mich.

Warum dann – rückblickend – der Umweg über die Kunst?
    Für mich war und ist es nicht reizvoll, schöne Kleidungsstücke zu gestalten. Um als Designer eine Stimme zu haben, bedarf es mehr. Andere besuchen Modeschulen – ich wählte den Weg des Quereinsteigers über die Kunst.

Was ist so verkehrt an Modeschulen?

    Sie sind so einseitig. Ich liebe das Theater, ich liebe das Kino, ich liebe Mis-en-scène, ich liebe die Inszenierung durch Licht, und ich liebe Musik. Ich begreife Mode in diesem Sinne als Gesamtkunstwerk, als eine weit ausholende Geste. Daher gefällt mir auch die Idee, dass wir über die Beweggründe, die Motive von Mode sprechen wollen – und nicht nur über meine neue Kollektion. Denn die Konzepte hinter den Kollektionen sind das eigentlich Wichtige.

Was war das Konzept hinter Ihrer Militärkollektion?
    Diese Kollektion trug den lateinischen Titel »Pater« – wie Vater. Die Vorlagen waren übrigens nicht nur Militäruniformen, und es gab auch nicht nur Hemden mit Kragenabzeichen – auch Schuluniformen und zivile Uniformen gehörten zu den Inspirationsquellen. Uniformen repräsentieren für mich Disziplin. Disziplin im Leben und in der Arbeit. Es gibt übrigens einen Paten für die Kollektion »Pater«: Joseph Beuys. Er ist für mich der Inbegriff von Disziplin. Ich trage eine Tätowierung auf meinem Körper: »Zeige deine Wunde«. Das ist der Titel einer Arbeit von Joseph Beuys.

daviddelfin2Warum Joseph Beuys? Weil Sie ihn als Künstler schätzen – oder als deutschen Soldaten im Zweiten Weltkrieg?
    Natürlich kenne ich Beuys’ Biographie. Er war Pilot, und er wurde 1944 über der Krim abgeschossen. Die Geschichte ist bekannt: Er überlebte schwer verletzt und wurde von Kosaken gerettet …

Beuys nutzte Eckpunkte seiner eigenen Biographie, um eine Art Mythos zu begründen – den Mythos seiner eigenen Künstlerpersönlichkeit. Er hielt sich dabei nicht immer an die Fakten.
    Genau das meine ich. Die geradezu religiös aufgeladene Bedeutung des Filzes in seinen Werken führt Beuys ja auf seinen Absturz zurück. Man habe ihn in Filz eingewickelt, und er habe so im Schneesturm überlebt. Der Filz – und auch das Fett – in seinen Arbeiten hat unmittelbar mit diesem kathartischen Moment in seinem Leben zu tun. Er war Soldat, und er erfand sich im wahrsten Sinne des Wortes neu – als Künstler. Wahrheit, Erkenntnis und Phantasie vermischen sich dabei. Ich habe viele Bücher über Joseph Beuys und seine Philosophie gelesen und seine Betrachtungen zur Demokratie in der Kunst und auch seine Verlautbarungen – »Jeder Mensch ist ein Künstler«, »Kreativität ist unser Kapital« – regelrecht verinnerlicht. Während Beuys durch einen dramatischen Einschnitt in seinem Leben verändert wurde, veränderte mich das Studium seiner Arbeiten und Bücher. Entscheidend ist meiner Meinung nach also nicht, was einem im Leben tatsächlich zugestoßen ist, sondern wie man sein Leben definiert.

Auch Sie benutzten Filz in Ihrer Kollektion »Pater«. Wir nehmen an: Das ist eine Referenz?
    Ich liebe Filz. Ich benutzte Filz übrigens nicht nur in der »Pater«-Kollektion, sondern auch in anderen Kontexten. Filz wärmt uns, Filz isoliert, und Filz schützt uns. So an Mode heranzugehen ist sehr Joseph Beuys. Mir ist es wichtig, deutlich zu machen, wie tief dieses Interesse geht. Bereits 1999 hatte ich – da arbeitete ich noch als Künstler – beispielsweise eine Ausstellung mit dem Titel ›David Delfin vs. Joseph Beuys‹. Vor dieser Ausstellung hatte ich auf Papier und auf Leinwand gemalt. Für diese Ausstellung malte ich auf gebrauchten Militäruniformen und Kampfkleidung. In diesen Kleidungsstücken steckte Erinnerung. Namen waren aufgestickt, Einschusslöcher waren zu sehen – ausgewaschene Blutflecken. Man konnte sich Geschichten zu den Stücken ausdenken.

Wie haben Sie die gefundenen Second-Hand-Kleidungsstücke zu Ihrer Kunst gemacht?
    Ich schrieb mit Acrylfarbe oder Permanent Markern Begriffe oder nähte beispielsweise rote Kreuze aus Filz auf die Kleidungsstücke und machte sie durch diese Veränderung zu meinen Objekten. Zu dieser Zeit begann ich auch, mit meiner linken Hand zu schreiben, obwohl ich Rechtshänder bin. Es ist erstaunlich, wie viel Expression man in der linken Hand entdecken kann. Ich spreche von Kontrollverlust. In gewisser Hinsicht war diese Arbeit der Nukleus meiner »Pater«-Kollektion. Nach jeder Kollektion könnte ich Ihnen einen ausführlichen Vortrag über die Quellen meiner jeweiligen Inspiration halten.

Sie sagen, dass Sie nicht vornehmlich provozieren wollen. Tatsächlich aber haben Sie in der Vergangenheit – sei es mit Ihrer surrealen, an Luis Buñuel und René Magritte angelehnten S/M-Kollektion »Cour des miracles«, sei es mit der Militärkollektion, sei es mit Schleiern für Frauen – durch die Inszenierung einer gewissen ›politischen Unkorrektheit‹ Ihr Publikum irritiert. Das ist doch kein Zufall.

    Ich sage ja nur, dass es leicht ist zu provozieren und dass es daher eine weiter reichende Ebene in jeder Arbeit geben muss als die der Provokation. Mir ging es immer um die Emotionen, die ich mit meiner Kunst oder meiner Mode auslösen kann. Ich möchte nicht irritieren, ich möchte berühren. Ich spreche da übrigens nicht nur für mich alleine, sondern für das gesamte Kollektiv, das unter dem Namen Davidelfin firmiert. Wir sind eine Gruppe von fünf, bestehend aus dem Modell Bimba Bosé, der Wirtschaftswissenschaftlerin und Journalistin Déborah Postigo, dem Architekten und Fotografen Gorka Postigo sowie dem Regisseur und Musiker Diego Postigo. Im Übrigen haben wir nichts gegen Provokation. Provokation ist gut und heilsam. Aber es muss eine tiefere Ebene geben.

Ist es produktiv oder kontraproduktiv, jedes Jahr eine neue Kollektion auf den Markt zu werfen, die wenig mit der vorangegangenen zu tun hat? Sie können keinen durchgehenden Stil vorweisen. Aber ist nicht gerade der
essentiell für einen Modedesigner?

    Ich bin erst seit fünf Jahren Designer. Das ist nur eine kurze Zeit. Man braucht ohnehin länger, um einen eigenen Stil vorweisen zu können. Ich hoffe, dass in meinen Arbeiten trotzdem so etwas wie meine eigene Identität lesbar ist. Und in Spanien bin ich mittlerweile bekannt. Es ist also nicht so, dass man sagen könnte, die häufigen Stilwechsel hätten meine Karriere torpediert. Nur international bin ich eben noch nicht so vertreten. Aber das kann ja noch kommen.

Von Ihnen stammt der Satz: »Als Modedesigner braucht man Identität und Ideologie, um zu überleben.«
    Identität ist entscheidend in der Mode. All die Modedesigner, die ich liebe, haben eine Identität, die in jedem ihrer Kleidungsstücke sichtbar wird. Sie müssen mir nicht das Label zeigen, damit ich Ihnen sagen kann, ob es sich bei einer Jacke oder einer Hose um ein Stück von Alexander McQueen, Martin Margiela oder von Viktor & Rolf handelt. Wer über eine Identität verfügt, kann aus ihr auch eine Ideologie ableiten. Ich bin mir sicher, dass in jeder Kollektion eines Designers, der über eine eigene Ideologie verfügt, sich auch eine interessante Geschichte findet.

daviddelfin3Verwirren Sie Ihr Publikum nicht durch Ihre ständigen Richtungswechsel?
    Wer weiß, vielleicht wird man in 20 Jahren sagen: »David Delfins Stil ist der permanente Hakenschlag, die ständige Veränderung«? Die eben genannten Designer sind viel länger im Geschäft als ich, und auch sie haben in der Vergangenheit Brüche in ihren Arbeiten definiert. Ich persönlich sehe selbstredend einen roten Faden, der sich durch meine verschiedenen Kollektionen zieht, auch meine neue Winterkollektion »Demenagement« ist da keine Ausnahme. Dieses Mal geht es um das Thema ›Umzug‹ – also, wenn man ein Haus verlässt und in ein neues einzieht. Mir geht es immer um die metaphorische Ebene. Alle meine Kollektionen stehen für eine übergeordnete Idee, sind Verweise.

Funktioniert dieser metaphorische Ansatz eigentlich kommerziell? Schließlich entfernen Sie sich von einem Konsens dessen, was von der breiten Masse als ›populär‹ oder ›modisch‹ angesehen wird.
    Wie meinen Sie das?

Auf Ihrer »Demenagement«-Schau in Madrid haben Sie Ihren Modellen neben Ihren Kleidern auch halbe Thonet-Stühle angezogen. So etwas kann man doch nicht wirklich tragen …
    Das ist aber eine Methode, wie sie viele Haute-Couture-Häuser anwenden. Die Schauen in Paris sind stets geprägt von diesem Ansatz: Sie machen ein Statement mit Ihrer Schau, aber kaufen kann man nachher gewissermaßen die etwas weniger exaltierten Stücke. Die Schau steht für den Geist einer Modelinie. Hat man die Philosophie einmal klargestellt, ist man nicht gezwungen, sie in jedem einzelnen Stück durchzudeklinieren. Nein, man kann es bei einem Verweis oder einem Zitat belassen. Umgekehrt arbeite ich zurzeit an einer neuen Kunstausstellung, die sich auch mit dem Thema »Umzug« beschäftigt. Auch da muss ich nicht notwendigerweise Kleider zeigen.

Wie überleben Sie als Firma, wenn man einerseits bekannt wird für etwas, das man nicht verkaufen kann – und das, was man kaufen kann, praktisch nur in Spanien erhältlich ist?
    Wir haben einen Shop in Madrid, und außerdem kann man unsere Mode in vielen Multi-Brand-Shops in Spanien erwerben. Wir verkaufen unsere Kleider auch nach Japan, nach New York, nach Kuwait. Wir wollen wachsen, wir wollen eine große Firma werden. Aber es ist noch viel Arbeit nötig, bis
wir es geschafft haben.

Warum kann man Ihre Mode nicht auch in Deutschland kaufen?
    Die Kunden wollen Verlässlichkeit. Eine oder zwei interessante Kollektionen reichen ihnen nicht, um sicher zu wissen, dass sie einen verlässlichen Partner gefunden haben. Diese Geduld müssen wir aufbringen. Wir wissen ja, dass wir sehr genau beobachtet werden. Die Regeln des Geschäfts sind uns bekannt. Es ist also eine Frage der Zeit.

In der Zwischenzeit arbeiten Sie deshalb für den spanischen Markt oft und freiwillig mit größeren Brands zusammen – etwa mit Converse, Playstation, Campari, Opel …
    Wir mögen es, uns in verschiedenen Disziplinen auszudrücken. Die Zusammenarbeit mit dem Schuhhersteller Converse etwa hat mich gleich interessiert. Zusammenarbeit hieß in diesem Falle ja auch, sich mit einer über hundertjährigen Tradition auseinander zu setzen. Ich mag Converse. Der »All Star« ist ein Klassiker. Da fühle ich mich doch geehrt. Kollaborationen sind für beide Seiten gut. Für uns sind sie gut, weil wir bezahlt werden. Wir reden schließlich über ein Geschäft, das wir betreiben. Wir leben unser Geschäft.

Sie haben in Ihrer jungen Karriere bereits einige Preise gewonnen, unter anderem einen L’Oreal-Preis für die beste Kollektion und den Prix de la Mode Marie Claire als bester Nachwuchs-Designer. Wer eine solche Aufmerksamkeit erfährt, ist in der Regel zögerlicher zu kollaborieren…
    Ich denke, es ist umgekehrt sehr gefährlich, sich von Lob dieser Art beeindrucken zu lassen. Ich glaube nicht an institutionelles Lob. Ich möchte nicht undankbar wirken, aber einen Preis zu gewinnen heißt für mich, dass ich von nun an noch härter arbeiten muss, sonst war alles umsonst. Zu entspannen, sich zurückzulehnen kann in meiner Branche tödlich sein. Das ist auch genau der Grund, weshalb ich die Empörung über meine Kollektionen oft als ein sehr positives Signal empfinde: Empörung lässt mich nicht lasch werden. Ich bevorzuge den harten Weg. Böse Kritik kann sehr erfrischend sein.

daviddelfin4Gehen Sie aktiv auf die Suche nach Kollaborationspartnern?
    Meistens werden wir gefragt. Zum Beispiel wurden wir erst letztes Jahr vom Filmfest in Málaga gefragt, ob wir nicht deren optischen Auftritt durchdesignen wollen. Ich fühle mich in solchen Fällen fast immer geehrt. Vor allem, da ich aus Málaga stamme. Es ist ein tolles Gefühl, durch die eigene Heimatstadt zu gehen und an jeder Wand, in jedem Kino die Spuren der eigenen Arbeit und Kreativität zu sehen.

Viele Designer hingegen sagen, dass alles, was sie von der Mode ablenkt, nicht gut fürs Geschäft sei. Sie scheinen es genau umgekehrt zu sehen …

    Arbeiten ist gesund. Selbstverwirklichung ist gesund. Mein ganzes Leben und mein ganzes Selbstverständnis basiert auf der Idee von Arbeit. Ich liebe die Arbeit, und ich liebe es zu arbeiten. Ich glaube nicht an die Unschuld der Inspiration. Ich glaube, dass die Inspiration zu denen kommt, die hart arbeiten. Unsere Arbeit ist größer als wir Arbeiter. Ich mag auch nicht gerne in die Ferien fahren, Urlaub machen. Schon das Konzept des Wochenendes ist mir suspekt. Viele Leute sagen: Sollte ich im Lotto gewinnen, muss ich nicht mehr arbeiten. Bei mir wäre es genau umgekehrt: Würde ich im Lotto gewinnen, würde ich umso mehr arbeiten, weil ich noch unabhängiger wäre. Trotzdem bleibt die Mode der Kern meiner Arbeit und der Mittelpunkt meiner Auseinandersetzung mit der Welt.

Das heißt: Noch sind Sie nicht unabhängig.
    Man muss Kompromisse machen. Meine neue Kollektion umfasst zum ersten Mal auch eine ganze Reihe von T-Shirts. Wir versuchen, junge Menschen anzusprechen, aber nicht ausschließlich. Ich denke, dass wir durch die Referenzen, die wir mit unseren Stücken setzen, auch ältere Leute ansprechen.

Sie meinen also Menschen, die Ihren Kunst oder Musikgeschmack teilen?
    Natürlich ist mir bewusst, dass die Filme Luis Buñuels nicht jedem bekannt sind. Eher schon die Filme von David Lynch.

Ihr Geschäftspartner Diego Postigo ist Filmregisseur. Inwiefern basiert die Zusammenarbeit zwischen Ihnen beiden auf einer Auseinandersetzung mit Filmen?
    Wir arbeiten generell eng zusammen. Diego dreht öfters Videos für Popbands. Ich gestalte in diesen Videos oft die Kleider. In gewisser Hinsicht hat uns Andy Warhols Factory beeindruckt. Oder auch das Bauhaus. Ich glaube nicht an die Idee des einsamen Künstlers, der auf seinem Sofa sitzt und wartet, bis ihn die Muse küsst. Wir arbeiten hier in Madrid als Kollektiv, wir arbeiten sehr viel und sehr diszipliniert.

Betrachten Sie sich selbst als Avantgardisten unter den Modeschöpfern?
    Es ist immer problematisch, sich selbst eine solche Rolle anzumaßen. Ich würde sagen, dass ich in meiner Zeit lebe und arbeite – und sicherlich nicht rückwärts gewandt bin. Ich mag die Vergangenheit, aber interessant wird es, wenn man versucht, die Errungenschaften der Vergangenheit in die heutige Zeit zu übersetzen. In diesem Sinne verstehe ich mich eher als Medium, als Vermittler oder Katalysator. Entscheidend ist, dass im Prozess des Vermittelns etwas verändert wird. Ich mag die Ideologie der Renaissance. Nehmen Sie Leonardo. Er war ein Künstler, er war Architekt, Forscher, Wissenschaftler, Erfinder. Auch Beuys arbeitete interdisziplinär, war Philosoph und Lehrer. Ich mag ja auch Hedi Slimane – er ist Fashion-Designer, Fotograf und Art Director zugleich.

Hedi Slimane arbeitet ähnlich universell wie Karl Lagerfeld. Alles, was er anfasst, scheint zu einem kreativen Statement zu werden.

    Ich mag Lagerfelds Verlag Edition 7L. Die Bücher, die er veröffentlicht, sind alle etwas Besonderes. Auch ich möchte so sein. Ich möchte alle Dinge, die ich anfasse, zu David Delfin machen. Denn ich besitze die Disziplin, jene Dinge nicht anzufassen, von denen ich weiß, dass ich an ihnen zweifle.

 

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