David Bowie veröffentlicht Video zu »Sue (Or In A Season Of Crime)«

Es gibt ein neues Video von David Bowie. »Sue (Or In A Season Of Crime)« bietet Anlass für eine kurze Bestandsaufnahme zum Comeback der letzten zwei Jahre.

Das Versteckspiel geht weiter: Irgendwann wird David Bowie womöglich alles, was in den letzten zwei Jahren passiert ist, als Teil eines größeren Plans entwirren: Die überraschende Rückkehr nach zehn Jahren Pause mit dem Video zu »Where Are We Now«, dem – noch überraschender – tatsächlich das erste, freilich wenig euphorisch rezipierte Studioalbum des Londoners seit zehn Jahren folgte, woraufhin eine vielbeachtete Bowie-Ausstellung die Inszenierung international in die Museen brachte, gefolgt vom vorerst logischen letzten Schritt: Das Gesamtwerk als opulente Box, pünktlich zum Weihnachtsgeschäft. Haken hinter alles, was bis heute war.

Die Frage, ob man 2014 überhaupt noch irgendeine Form von derartigen Kompilationen braucht, zumal von einem Künstler, dessen Werk bereits auf geschätzt 56 ähnlichen Zusammenstellungen zu hören ist, stellen wir hinten an, denn natürlich ist die größte Sensation am heute veröffentlichten Nothing Has Changed die Tatsache, dass die Box mit zwei neuen Songs daher kommt. »Sue (Or In A Season Of Crime)« wurde bereits vor Wochen veröffentlicht und erinnert in seiner offenen, jazzbasierten Form an die experimentelleren Stücke auf Outside.

Die vor einigen Tagen veröffentlichte B-Seite, »Tis A Pity She’s A Whore«, eine Referenz an John Ford, ist musikalisch gelungener, weil konziser und strukturierter. Der unter Umständen interessanteste Bowie-Song der vergangenen 15 Jahre spielt gekonnt mit der sich aus dem Gegensatz einer an sich simplen, aber hochmemorablen Melodie und torkelnden Free-Jazz-Bläsern ergebenden Dynamik.

Nach dem insgesamt konventionellen The Next Day stehen beide Songs für eine Rückkehr Bowies ins experimentelle Fach. Der Mann, dessen erstes Instrument ein Saxofon war, nahm »Sue« gemeinsam mit dem renommierten Maria-Schneider-Orchester in offener, bläsergetragener Form auf. Im Gegensatz zu seinen großen Werken der Vergangenheit gelingt es ihm jedoch nicht, seine größte Stärke auf den Punkt auszuspielen: subkulturelle Strömungen aufzusaugen und mit maximaler Grandezza in den Pop-Kontext zu überführen. Bowie konnte das lange Jahre so gut wie kein anderer.

»Sue« indes bleibt eine interessante stilistische Übung. Produziert hat abermals Toni Visconti, das nun vorliegende Video verantworten Jimmy King und Tom Hingston. Ersterer hatte bereits die wenigen Fotos, die in den letzten Jahren entstanden sind, gemacht –und ist somit vermutlich einer von weltweit geschätzt fünf Menschen, die Bowie in den letzten zehn Jahren überhaupt von Angesicht zu Angesicht gesehen haben.

Auch im Video zu »Sue (Or In A Season Of Crime)« ist Bowie abgesehen von kurzen Einblendungen, die den Sänger mit Brille und Kopfhörer im Studio zeigen, physisch quasi nicht präsent. Der offenbar von Philip Marlowe und dem Film-noir der Fünfzigerjahre inspirierte Clip treibt das Versteckspiel der letzten Jahre auf die Spitze. Die spannendste Frage der nächsten Monate wird sein, ob Bowie endgültig zurück ins Licht treten wird – oder es bei gelegentlichen Veröffentlichungen und mirakulösen Auftritten belässt.


David Bowie – Sue (Or In A Season Of Crime) on MUZU.TV.

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