Datarock

Zwei Männer, eine Pose. Datarock ist eine Band, die es einem nicht ganz so leicht macht, sie ernsthaft gut zu finden. Diese Platte ist das ursprünglich bereits 2005 erschienene Debütalbum von Datarock, das nun zwecks größtmöglicher Flächendeckung wiederveröffentlicht wird. Man möchte dem Duo aus Bergen also nicht unbedingt vorhalten, dass hier mit mittlerweile leicht angestaubten Ingredienzien hantiert wird, wenn wie hier einmal mehr Postpunk und New Wave als Referenzpunkte angedacht werden. Datarock bedienen sich der altbekannten, kratzbürstig angeschlagenen Gitarre und schön billig eiernder elektronischer Kisten.  Die eine oder andere dicke Bassline wummert durch den Raum, der häufig etwas übertrieben sich überschlagende Gesang bemüht sich um den Hysterie-Award. Das  Ergebnis ist der Musik gewordene Hakenschlag, oszillierend zwischen minimalistisch pluckerndem Maschinen-Funk und hibbeligem Hau-Ruck-Rock im Geiste der weniger aufgekratzten Devo. Man beschränkt sich aufs Wesentliche, zielt ohne Umschweife auf den Tanzboden der elektrifizierten Indie-Disco, bis vor kurzem hieß das noch Dancepunk oder so ähnlich. Es muss raus: Gerne darf man es auch, ähm, Datarock nennen. Genau.
    Nun geht es hier ja aber auch verstärkt um Oberfläche und Äußerlichkeiten. Nur zu gerne posieren Fredrik Saroea und Ketil Mosnes, die Namen hinter Datarock, in ihren identischen, roten Trainingsanzügen, mit über den Kopf gezogener Kapuze, oldschool Porsche-Wraparound-Sonnenbrille auf der Nase, halbcool an ihren spackigen BMX-Rädern lehnend. So richtig lustig ist das nicht. »BMX Is Better Than Sex!« lautet dann postwendend der Slogan, der uns im ersten Stück um die Ohren gehauen wird und die Ausrichtung der Platte vorgibt. Datarock haben sich nur allzu leserlich und in fetten Lettern »IRONIE« auf die Fahnen geschrieben, alles ist hier tongue-in-cheek, die meinen es ja gar nicht so, hihi. Das ist immer ein wenig peinlich, bisweilen ganz witzig, und gar nicht mal so schlimm, zumal der ganze Zirkus ziemlich erfolgreich ins Bein geht. Schade nur, dass die fein ausgeklügelte Pose meist übertüncht, dass Datarock einige sehr gute Stücke anzubieten haben.

LABEL: Nettwerk

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 01.06.2007

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