Mehr gewonnen als verloren

Erstaunlich, wie sich die Klangmuster doch ähneln können. Das neue Album »Angles« der Strokes – ihr erstes seit fünf Jahren – läuft gerade einmal zwanzig Sekunden und schon kommt die Frage auf, ob man es bei »Maccu Picchu« mit einem neuen Song von Phoenix zu tun hat: Das herrlich unaufgeregte Stück eröffnet die vierte Platte jener Band, die 2001 mit »Is This It« den Garagenrock neu aufgemöbelt hat, der Song beginnt mit einer zart gepickten Surfgitarre, Julian Casablancas’ Gesang klingt so sanft-vernuschelt wie der Thomas Mars’ – und dazu lautet eine der gesungenen Zeilen auch noch: »It’s never yours but someone else’s voice«. Aber schon bei dem zweiten Song »Under Cover of Darkness« sind alle Zweifel weggewischt: Hier hat man es eindeutig mit den neuen alten Strokes zu tun.

    Zur ersten Single gibt es nun auch ein Musikvideo, darin sehen wir The Strokes in barocker Theater-Kulisse und feinem Zwirn, im allerbesten Feiersetting also – und dennoch bleiben sie ganz alleine: keine Komparsen, keine Fans, keine Freunde. Treffend abgebildet wurde also der Refrain, in dem Casablancas singt: »I’m tired of all your friends.« Gemeinsam mit tape.tv, dem Musikfernsehen im Internet, zeigen wir das neue Musikvideo sowie weitere Strokes-Klassiker aus dem Archiv.


Mehr Videos von The Strokes gibt es auf tape.tv!

    Schon beim ersten Hören von »Angles« (zu Deutsch: Angeln, nicht Engel) stellt man fest, dass Julian Casablancas, Nikolai Fraiture, Fab Moretti, Nick Valensi und Albert Hammond Jr. durch ihre fünfjährige Auszeit und vier Solo-Projekte deutlich mehr an Leidenschaft und Ideen in Sachen Songwriting gewonnen als verloren haben. Die zehn neuen, erstmals in Gruppenarbeit geschriebenen und bis auf »Life is Simple in the Moonlight« von der Band selbst produzierten Songs greifen zwar wie schon in »First Impressions of Earth« Funk- und Prog-Rock-Elemente auf (siehe »Metabolism«), stellenweise auch achtziger-Jahre-Synthesizer (wie in »Games« und »Life is Simple …«), bleiben im Kern aber beim Topos der Strokes: geradliniger Rock’n’Roll, quengelnde Gitarren und Julian Casablancas gedehnte Reibeisenstimme.

    Was »Angles« letztlich natürlich etwas abgeht, ist der spektakuläre Überraschungs- und Überwältigungseffekt, den ihr Debütalbum »Is This It« in der generellen musikalischen Ödnisperiode um die Jahrtausendwende auslöste: Zwischen den USA und Kontinentaleuropa waren Jung und Alt in den Großstädten und Provinzen von der Strokes’schen Neuerfindung von Rock’n’Roll geradezu elektrifiziert, heute regiert die gelassene Abwartungshaltung. Zeit dafür ist noch genug: »Angles« erscheint am 18. März bei Sony Music.

 


STREAM: The Strokes – You’re So Right

The Strokes – Angles:
01. Machu Picchu
02. Under Cover of Darkness
03. Two Kinds of Happiness
04. You’re So Right
05. Taken for a Fool
06. Games
07. Call Me Back
08. Gratisfaction
09. Metabolism
10. Life is Simple in the Moonlight

2 KOMMENTARE

  1. Vor dem neuen Strokes-Album…

    Am Freitag in der Woche nach dieser Woche, in einer Woche also, erscheint das neue Album der Strokes, gute fünf Jahre nach First Impressions of Earth. Das Warten hat damit natürlich kein Ende, denn das Warten hat nie ein Ende und sollte mein Warten a…

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