»Das Geheimnis des Geldes«

Nach der ersten Albumankündigung und dem Gratis-Download zum Song »Nobody Can Do Me No Harm« folgt nun der nächste längere Ausblick auf »Fukui«, das neue, ganz in japanisch gehaltene Stella-Album. Der Videokünstler und Regisseur Timo Schierhorn inszenierte das Musikvideo zu dem langsamen und düsteren Song »オフィースとストア« (»Office and Store«), gedreht wurde im Bahnhof der Yamanote-Linie, Haltestelle Shibuya in Tokio. Stella-Sängerin Elena Lange erklärte uns den Drehort so: »Ich habe eine Zeit dort gewohnt, der Ort bedeutet mir etwas – allerdings ist es Zufall, dass diese Örtlichkeit in das ›Fukui‹-Thema einfliesst, da Fukui auf der anderen Seite Japans liegt, keine U-Bahn hat und nicht so viele Menschen.« Im Kurzinterview äußert sich Lange außerdem zum Hintergrund des Videos, zur Wahl der Textung »politisch bewusster« Musik sowie dem Album-Artwork.

Warum habt ihr als Motiv bzw. Thema des Clips die U-Bahn gewählt? Wie geht der Ort mit dem Song selbst zusammen? Gibt es inhaltliche Überschneidungen?
    In Tokio, gerade an solchen Verkehrsknotenpunkten wie Shibuya oder Shinjuku, sind Office Ladies und Salary Men – das arbeitende Volk – auf Transit. In dem Song geht es um das Geheimnis des Geldes, das sich immer als Versprechen ausdrückt und seinen Fetischcharakter durch schnelle Abwicklung und Disziplin aufrechterhält. Die U-Bahn sorgt dafür, dass alles rebungslos funktioniert. Die Angestellten wissen das nicht, aber sie tun es.

U-Bahn-Stationen sind öffentliche Plätze, könnten dementsprechend Orte der Begegnung und Kommunikation sein. Letztlich nutzen wir sie aber nur als Ein-/Ausstiegsorte bzw. als Transportmittel, vermeiden die Kommunikation mit anderen Fahrgästen. Ganz ähnlich verhält es sich auch auf mit dem neuen Stella-Album: Es wird gesungen, allerdings auf japanisch – was den Großteil der Hörer wohl zwangsläufig vom Verständnis ausblendet.
    Es wird eine englische Übersetzung geben. Wir haben Japanisch ›gewählt‹, weil das gesungene Japanisch ästhetisch anziehend wirkt – zumindest auf uns – und eine interessante Art der Entfremdung stattfindet. Aber wie ein großer Philosoph bereits sagte: »Wäre das Fremde nicht länger verfemt, wäre Entfremdung kaum mehr

Stella wurden immer wieder als Band mit politischer Haltung bzw. Aussage verstanden. Mit der japanischen Textung verweigert ihr nun gänzlich sofort verständliche Aussagen. Wollt ihr euch nicht mehr auf bestimmte Botschaften festlegen lassen? Wovon handeln Elenas Texte? Wäre die Sprachwahl letztlich egal gewesen, überspitzt ausgedrückt beispielsweise mittels einer Fantasiesprache?
    Ich halte es für einen vulgären Politikbegriff, der parolenhafte Verständlichkeit voraussetzt. Dass wir politisch bewusster (ein besserer Ausdruck als einfach »politisch«) sind als früher, zeugt schon daher, dass nicht einfach verkürzte und popkulturell verwässerte ›Aussagen‹ verarbeitet werden, sondern gesellschaftschaftstheoretische Überlegungen sich primär durch die Formalität und Strenge der Texte und Musik reflektieren lassen. Bei »Office and Store« geht es allerdings offensichtlich um den Warenfetisch. Ich meine, how political can you get in a popsong? 

Das Artwork zu »Fukui« beruht auf der Arbeit »IV« des in Berlin lebenden dänischen Künstlers Sergej Jensen. Warum habt ihr euch für seine Arbeit von 2006 entschieden? Jensen trägt für seine Stücke verschiedene Stoffe bzw. Materialen zusammen – lässt sich dieses Prinzip auch auf euch als Gruppe im Allgemeinen oder »Fukui« im Besonderen übertragen?
    Nein, das denke ich nicht. Ich bin Fan seiner nicht allzu eindeutig graghischen Darstellungen. Außerdem heisst sein Bild »Sao Paolo Exhibition I.« Und Sao Paolo ist die größte Japaner-Diaspora weltweit. Das hat mir gut gefallen.

 

    Die Premiere des Videos zeigen wir in Kooperation mit tape.tv, auf tape.tv könnt ihr – wie auch auf SpexTV – noch viele weitere Musikvideos sehen. »Fukui« von Stella erscheint am 27. August bei Snowhite Records bzw. Clouds Hill Records.

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