Danger Dan „Reflexionen aus dem beschönigten Leben“ / Review

Der Kommerz-Kosmos Hip-Hop? Zu materialistisch, zu sexistisch, zu plump für Danger Dan.

„Heutzutage ist es wirklich peinlich zu rappen“, rappte Danger Dan schon auf seiner frühen EP Coming Out. Das war 2008, knapp ein Jahr vor der Gründung seiner Band Antilopen Gang, die gut zehn Jahre lang kostenlose Musik ins Netz stellte, bevor sie 2014 beim Hosen-Label JKP ihr offizielles Debüt „Aversion“ veröffentlichte – und damit eine verspätete Eintrittskarte zum Musikindustrie-Oberrang löste.

Damals schon wirkte Daniel Pongratz, wie Danger Dan bürgerlich heißt, stets ein bisschen außen vor bei dieser als punkig geltenden Rap-Kombo aus Westfalen, die zwar gerne „Hurensohn“ sagt, deren Mitglieder aber eben auch die Uni abgeschlossen haben. Pongratz kleidet sich eher wie ein Mod, singt manchmal, spielt viele der Instrumente in seinen Beats selbst ein und wollte auch sonst nie bloß das sein, was er heute ist: ein Rapper in einer deutschen Hip-Hop-Crew. Folgerichtig klingt sein Solodebüt Reflexionen aus dem beschönigten Leben nun wie eine 12 Songs dauernde Abgrenzung. Der Kommerz-Kosmos Hip-Hop? Zu materialistisch, zu sexistisch, zu plump.

Rap für Leute, die sich zu klug für Rap halten.

„Hip-Hop war niemals ein Sprachrohr für Subversion“, stellt er auf „Drei gegen einen“ klar – und klärt damit auch gleich die Fronten zwischen dem derzeit AfD-nahen Szene-Konsens und sich selbst. Das ist moralisch richtig, aber weitaus weniger edgy, als es sich liest. Denn wer den Underground für einen Mythos hält, bleibt selbst auch nur ein theoretischer Rebell – mit Hintertürchen in der Ironie. Der 35-Jährige bricht zwar nicht mehr mit Frettchen auf der Schulter Mercedes-Sterne ab, sieht das aber als „Grundvoraussetzung“ und bläut daher auf „Sand in den Augen“ seiner Tochter schon mal den Aufstand ein – wenn er nicht gerade die vermeintlichen Anarchie-Fantasien eines Büroangestellten formuliert.

Offen bleibt, wo sich in diesem Themenkomplex ein Song wie „Die Prinzentragödie“ mit Sebastian Krumbiegel als Duettpartner einordnen lässt. Die wichtigere Frage ist aber: Warum produziert man eigentlich Rap für Leute, die sich zu klug für Rap halten? Aus Adornos Essay-Sammlung, auf die der Albumtitel anspielt, stammt auch dieser Satz: „Es gibt kein richtiges Leben im falschen.“ Nagel, Kopf, Sie wissen schon.

HINTERLASSEN SIE EINE ANTWORT

Please enter your comment!
Please enter your name here

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden .