Dan Mangan + Blacksmith Club Meds

Schwermütige, schwerblütige Erschöpfung: Dan Mangan und seine mutmaßlich bärtigen Männer geben sich auf Club Meds nicht mehr fröhlich.

Bislang ging er als Folkie par excellence durch: Dan Mangan aus Vancouver machte durchaus komplexe und trotzdem leicht goutierbare Musik, er gab sich – kariertes Hemd, Vollbart, Fotos mit Kätzchen – als freundlicher, nicht allzu verrückter Kerl, der sich problemlos ins kanadische Indiepop-Habitat um Broken Social Scene, Born Ruffians und Arcade Fire einfügte. Es gab Plattentitel wie Nice, Nice, Very Nice, diverse Musikpreise, Auftritte vor Prinz William & Herzogin Kate, eine Familiengründung. Und schließlich den Soundtrack zum tränenrührenden, aber fröhlichen Film Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück, den Mangan zusammen mit Jesse Zubot komponierte. Man durfte annehmen, dass hier jemand sein Glück respektive seinen Platz im Business gefunden hatte.

Aber jetzt erscheint Club Meds, genau genommen kein Soloalbum, sondern ein Gemeinschaftswerk von Dan Mangan + Blacksmith, einem losen Bandgefüge aus mutmaßlich bärtigen Männern, und klingt ganz anders, nicht mehr so unbedarft, nicht mehr so fröhlich. Schwermütige, schwerblütige Erschöpfung hängt über Songs wie »A Doll’s House / Pavlovia« oder »Kitsch«. Musik in einem halbnarkotisierten Schwebezustand, oberflächliche Ruhe, darunter vielgesichtiges Rumoren zwischen Mitternacht und Morgengrauen – Club Meds eben.

Die Schläfrigkeit in der Stimme und die trägen, sich dahinschleppenden Beats sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass dies ein Werk ist, mit dem Dan Mangan politische, mediale und generelle Sedierung thematisiert, und es ist ein bisschen schade, dass er einen der explizitesten Texte (den von »Mouthpiece«) in New-Model-Army-haften Gitarrenrock gepackt hat. Auch die Single »Vessel« mit der stetig wiederholten Zeile »It takes a village to raise a fool« klingt so beherzt zupackend, als ob Mangan Kanada und Nordamerika und die ganze Welt doch noch aus allen denkbaren Miseren retten wollte. Das dunkle, brüchige Country-Arrangement von »XVI«, der verhallte Ghoul-Freak-Kammerfolk am Klavier (»War Spoils«), das wehmütige »Forgetery« und der windschiefe Titeltrack bringen Mangans Unbehagen mit den Verhältnissen in Kanada und anderswo stärker, weil skeptischer, zweifelnder, ratloser rüber. Der Zitterbart steht ihm besser als der pragmatische Auf-den-Boden-Stampfer.

Seit einiger Zeit frage er sich, wie man überhaupt Musik ohne politische Schlagkraft machen könne, wird Mangan zitiert und wirkt dabei so, als sei er gerade schmerzhaft aus dem Canadian Dream erwacht. Für Club Meds war diese Fragestellung, dieser Zweifel jedenfalls äußerst zuträglich.

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