Dan Bodan Soft

Songtracksongs, die einen aufsaugen: Dan Bodans Soft

Ist es dieselbe Blase wie bei Deptford Goth? Auch der in Montreal aufgewachsene und mittlerweile in Berlin lebende Songwriter Dan Bodan scheint aus solch einem produktiven Vakuum zu erklingen. Dan Bodan kommt ursprünglich aus einer durchaus dem Experiment und dem Krach verschriebenen Szene und hat sich im produktiven Sinne verweichlicht. Sicherlich spielt er mit Farbe, Titel, Design und Songnamen des Albums (»A Soft Opening«, »Soft As Rain«), doch letztlich ist Soft nicht versteckt hammerhart, sondern ganz bewusst und vielleicht sogar vollkommen unironisch sanft.

Auch Bodans Songtracksongs umschweifen einen und saugen einen dann fast auf. In etwa so wie die Fantasien und Tagträume in der HBO-Serie Six Feet Under. Familie Fisher nervt zu Beginn auch, wächst einem dann aber immer mehr ans Herz. Genauso muss man auch hier: loslassen, driften und in diese Musik fallen oder bei »Reload« sogar anfangen zu tanzen. Vorher freilich zunächst mit Vorurteilen aufräumen, all die Klischees entweder zur Seite räumen oder – noch besser – einfach zulassen und genießen. Sollen wir es Soultronics oder Indie-Soul nennen? Dan Bodans Album wurde nach kurzzeitiger Aussortierung aus meinem akustischen Haushalt nicht nur auf die Agenda zurückgeholt, es bewegt mich inzwischen, wie es aus dieser Sparte zuletzt und eigentlich immer fast nur Raz Ohara getan hat. Da darf im Song »Romeo« auch mal beinahe schmonzettenhaft geschluchzt werden; und später, in »Jaws Of Life«, schmachtet Bodan zu Saxofonklängen: »I don’trust you anymore«. Michael Franks hole ich auch gleich wieder aus dem Vinylregal. Seufz! (Und nicht: grins.)

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