Damien Jurado »Visions Of Us On The Land« / Review & Tour

Auf Visions Of Us On The Land macht Damien Jurado nicht viel anders als auf dem Vorgänger – und damit ziemlich viel richtig. Kommende Woche startet seine Deutschlandtour – SPEX präsentiert.

Eine Reise geht zu Ende. Der namenlose Protagonist, der 2012 die spirituelle Parallelwelt rund um die Stadt Maraqopa sowie die Klänge des gleichnamigen Albums erkundete und der diese Expedition 2014 auf Brothers And Sisters Of The Eternal Son fortsetzte, gelangt nun, mit dem zwölften Studioalbum von Damien Jurado, an sein Ziel. Eine für den Schöpfer des namenlosen Protagonisten womöglich noch wichtigere Reise begann allerdings schon vorher. Seit Saint Bartlett (2010) arbeitet Jurado mit Produzent und The-Shins-Keyboarder Richard Swift zusammen, der ihn dazu ermutigte, sein Instrumentarium und seine Einflusssphäre zu erweitern, die Grenzen des Folk-Kosmos zu erkunden, und der ihn so zu psychedelischem Space-Folk führte.

Das Album leidet an einer typischen Krankheit von Trilogieabschlusswerken: Es ist zu lang geraten.

Jurados letzte Alben waren auch inhaltlich eine Neuerung, weil der Folkmusiker aus Seattle nach rund 20 Jahren als Songwriter nicht mehr eine Kurzgeschichte pro Song skizzierte, sondern über mehrere Alben hinweg eine seltsame SciFi-Welt voller religiöser Symbolik erschuf. Die Idee zu dieser Parallelwelt kam dem Sänger im Schlaf, und wie viele Träume schert sich auch dieser nicht um die Regeln der Logik oder der narrativen Stringenz. Immerhin gibt Damien Jurado dem Hörer kleine Orientierungshilfen zur Hand: Auf Brothers And Sisters Of The Eternal Son waren es die Silver-Geschwister, nach denen fünf der zehn Songs benannt waren, dieses Mal sind es die Namen US-amerikanischer Städte. Denn mit Visions Of Us On The Land lässt der Protagonist dieser Lieder (und damit auch ihr Sänger) Maraqopa hinter sich und begibt sich auf einen Roadtrip zurück in die Realität.

Musikalisch beginnt die Reise aufgekratzt und energisch, kommt aber, je weiter sie führt, immer mehr zur Ruhe. Während Jurado bei frühen Songs wie »Qachina« erneut seine Vorliebe für lateinamerikanische Rhythmik und Perkussion beweist und »Taqoma« mit lärmender E-Gitarre in psychedelische Sphären geleitet, konzentriert er sich am Ende des Werks verstärkt auf die Kernkompetenz der Singer-Songwriter-Zunft und kreiert nur mit einer Akustikgitarre im Arm schlichte, zeitlos schöne Songs. Visions Of Us On The Land macht nicht viel anders als der Vorgänger – und damit auch nicht viel falsch. Allerdings leidet das Album an einer typischen Krankheit von Trilogieabschlusswerken: Es ist zu lang geraten. Vielleicht hatte Damien Jurado einfach noch zu viele Ideen und wollte zu viele offene Handlungsstränge zu Ende erzählen. Vielleicht fiel es ihm einfach nur schwer, sich von seiner selbsterschaffenen Welt und seinem gedanklichen Rückzugsort zu trennen.

SPEX präsentiert Damien Jurado live
20.04. Berlin – Columbia Theater
21.04. Hamburg – Uebel & Gefährlich
28.04. Köln – Stadtgarten
14. 07. Dresden – Konzertplatz Weißer Hirsch
15. 07. München – Ampere

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