Damero

Ich konnte nicht an mich halten. Als ich das lipplose Mumingesicht auf dem Cover sah, griff ich sogleich zum Infantilo-Stift und malte Münder in seine Leere: frohe, traurige. Lustig-morbide zugenähte und mümmelig zugespitzte. Und dieses Knuffpuff sah aller Albernheit zum Trotz immer wie eine Elfe aus. Awww. An den kindlichen Traum, eine Elfe im verworrenen Gestrüpp des eigenen Gartens aufzuspüren, mag auch Ellen Allien gedacht haben, als sie das heimliche Gefrickel ihrer Promo-Kraft Marit Posch bei Bpitch Control erschnupperte. Aber Spekulation beiseite: »Elfe« ist kein Synonym für Riesending, es sei denn man liebt HelloKitty-Unterhosen. Dameros Musik ist für Mädchen und solche, die es werden wollen. Und das wiederum soll nicht heißen, dass Naivität und Zerbrechlichkeit Reiz und Qualität von Musiken wie diesen schmälern müssen, auch wenn dies so oft zutrifft, sobald eine Chuzpe-freie, weibliche Stimme auf Elektronika trifft. Zum Beispiel beim schwulen Zeitgeistfrisör, wenn man durch Lifestyle-Magazine blättert, während man einen »Kakadu auf Acid«-Haarschnitt verpasst bekommt (und wir schreiben das Jahr 2002). Damero weckt diese Assoziation hier und dort unsanft, vor allem, wenn sie auf Deutsch singt: »Alles kommt, wie es kommen musste, nämlich gar nicht.« Solche und schlimmere Zeilen sind natürlich von einer ärgerlichen Banalität. Geschenkt. In den englischen Stücken die so sweete Titel wie »Capricorn Saltlick« tragen, ist das kein Thema mehr. Tonangebend und textverschluckend sind nämlich die experimentellen, poetischen Beats (wie sie auch Ellen Allien und Damero-Kollaborateur Apparat schmecken), die Melancholie und gewitzte Fragilität der Melodien, die wie ein Teppich aus Scherben zum Drübertappsen einladen, und dann wider Erwarten keine Anstalten machen, sich ins Fleisch zu bohren, stattdessen regnet es Daunen.. Na, ist doch super! Romantik, Pop, Dunkelheit. Und das Leichte und Seichte einer Stimme wird im intelligenten Klanggewand schwer und irgendwie entrückt-bedrückend. »Happy in Grey« ist ein passender Titel für diesen wunderlichen Widerspruch, der keiner ist, weil Widersprüche kein Wohlgefühl erzeugen. Ist wie mit dem Frühling im Winter. Und HelloKitty-Unterhosen kann man schließlich auch »ironisch« tragen.

LABEL: Bpitch Control

VERTRIEB: RTD

VÖ: 23.02.2007

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