Damaged Goods. 150 Einträge in die Punkgeschichte / Review

Foto: Annika Reith

Für Damaged Goods haben auch einige ehemalige und aktuelle SPEX-Autor*innen über ihre persönliche Punk-Lieblingsplatte geschrieben. Jonas Engelmann hat das Ganze zusammengefasst und im Ventil-Verlag herausgegeben.

Vorbei mit Punk war es spätestens, als die ersten Graffiti „Punk’s not dead“ behaupteten. Zumindest, wenn man, den Begriff enger gefasst, an eine Band wie die Sex Pistols denkt. Richard Branson, dessen Label Virgin das Debüt von Rotten und Co. herausgebracht hatte, vertreibt bei Virgin Money heute ironiefrei Kreditkarten mit dem Cover der Pistols-Single God Save The Queen. Doch Punk, wir wissen es, ist kein Stil, sondern eine widerständige Haltung. Deshalb umreißt Damaged Goods die Geschichte des Punk in 150 Platten, und zwar vom 1966 erschienenen Debüt der Monks bis zu den 2016er Alben der Savages bzw. Billy Childish.

Happy 40. Geburtstag,
lieber Punk, und danke für Dein lebensrettendes Dissidenzangebot.

Der von Ventil-Chef Jonas Engelmann herausgegebene Sammelband verfügt über die üblichen Stärken und Schwächen solcher Anthologien: Sie ist eine bunte Mischung aus gelungenen und weniger gelungenen Artikeln, überraschenden und altvertrauten Platten, bekannten und eher unbekannten Beiträgern (wobei die besten Kapitel oft nicht von letzteren verfasst wurden). Die stilistische Bandbreite umspannt nüchterne Lexikoneinträge, nerdige Fanzine-Schreibe, intime Dankesbriefe an Musiker, experimentelle Plattenkritiken und mehr. Doch was sich der Band vorgesetzt hat, erreicht er: eine Feier des Punk als „ortlose Musik, zeitlose Musik, politische Musik, als Musik persönlicher Politik“ durch individuelle Zugangsweisen. Immer wieder wird spürbar, wie Musik zum Bruch mit dem uns Aufgenötigten führen kann. Wir begegnen so auch der eigenen Musiksozialisation in Damaged Goods, das zudem schöne Entdeckungen ermöglicht dank der Verweise auf Platten aus Ungarn, Chile oder Norwegen, aber ebenso auf eher Unbekanntes aus USA, UK und DDR. Kurzum: Punk ist nicht tot, sondern wunderbar untot. Happy 40. Geburtstag daher, lieber Punk, und danke für Dein lebensrettendes Dissidenzangebot.

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