Dälek »Asphalt For Eden« / Review

Dälek bleiben mit neuer Besetzung ihrem alten Konzept treu und entwickeln sich trotzdem weiter. Aus ihrer Noise-Rap-Nische werden sie damit nicht herauskommen – aber das wollen sie wohl auch gar nicht.

Wollte man sich in den frühen 2000ern als Indie-Kid dem HipHop annähern, war das gar nicht so einfach. Aggro Berlin war angesagt, und überall wurde auf dicke Hose gemacht. Sowas ironisch cool zu finden, wäre damals noch auf Unverständnis gestoßen. Da blieb nur der Studentenrap oder – von The Notwist und Themselves als gemeinsames 13 & God-Projekt auch hierzulande popularisiert – amerikanischer experimenteller HipHop, zum Beispiel aus dem Hause Anticon und dessen erweiterten Kreisen.

Künstler wie Themselves, Why? oder cLOUDDEAD loteten die Grenzen zwischen HipHop, Ambient und Indie aus. Wollte man eher klassischen Rap abseits des Mainstreams hören, konnte man zum Beispiel zu Aesop Rock greifen, der in diesen Tagen mit The Impossible Kid ebenfalls ein hörenswertes neues Album veröffentlicht hat. Dazwischen gab es noch einen anderen Sound: Dälek verbanden Noise und Ambient mit klassischem, aggressivem Rap. So viel erst mal zur Einordnung.

Die Zurückhaltung macht das Album nur intensiver.

Dass heute außer Will Brooks aka MC Dälek niemand mehr aus der Originalbesetzung übrig ist, tut dem bekannten Bandsound keinen Abbruch. Im Gegenteil: Auf Asphalt For Eden klingt er ein gutes Stück eindringlicher und düsterer als zuletzt auf dem 2009 veröffentlichten Gutter Tactics. Es gibt immer noch eine übersteuerte wall of sound, aber die Beats gehen nicht mehr so aggressiv nach vorne, lehnen sich eher zurück, was bei einem Track wie »Masked Laughter (Nothing’s Left)« mit seiner verschleppten Hi-Hat schon an Boards Of Canada erinnert.

Durch die Übersteuerung der Stimme von Brooks gelingt es Dälek, den MC gleichzeitig als Organ der Inhaltsvermittlung und als Instrument einzusetzen. Das zeugt von musikalischer Reife: Die Zurückhaltung macht Asphalt For Eden nur noch intensiver. Das Album entwickelt einen Sog, von dem sich Eingeweihte gern mitreißen lassen werden.

Zugleich wird es Dälek kaum gelingen, aus der Noise-Rap-Nische herauszukommen und abseits der eigenen Fanbase eine größere Zahl an Zuhörern zu gewinnen. Was sie wohl auch gar nicht wollen. Irgendwie sind und bleiben sie Underground-HipHop der 2000er-Jahre. Wer heute die weitaus wütenderen, experimentelleren, Grenzen-sprengenderen Death Grips hört, könnte Dälek beinahe schon altbacken finden.

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