Dälek Abandoned Language

Völlig untergegangen hier bei Spex durch Umzug und Relaunch, doch zu so einer Platte muss einfach etwas gesagt werden. Denn gerade touren Dälek über die Festivals des europäischen Sommers, und auch sie haben sich neu entworfen: Aus dem Berserker-Hiphop mit Industrialanmutung von »Absence« (2005) oder der Faust-Kollabo »Derbe Respekt, Alder« (2004) haben sie nur das Arbeiten mit den vielen Schichten übernommen. Alles Konkrete, alles Stählerne hat das Duo Dälek und Oktopus aus Newark, New Jersey eingeschmolzen. Und es fließt, spritzt, sprudelt, wird mal zähflüssig, schießt bald in die Höhe. Bereits das zehnminütige Titelstück eröffnet mit einem lasziv eiernden Beat, zu dem ein unberührbarer Subbass ein reptilienhaft anmutendes Eigenleben führt. Dazu reichern sich diverse Layer an wie Stimmen-Samples, psychotische Synthesizer, verlorene Seelen von Akkordeons. Über den Verlauf von acht Minuten wird diese Anordnung erhitzt, bis gletschergleiche Energie entsteht. Am Ende kippt der Track. Er fadet aus in einem fast versöhnlichen Wegschweben des Beats. Die überraschenden Wendungen machen diese Platte aus, nie weiß ich, woran ich bin, ist schon ein neues Stück jetzt, oder ist mein Rechner kaputt…
Die Arbeit am Detail tut ihr Übriges: Selten klingen Synths so ausgewählt unheimlich, bedrohen Bässe durch pure Schönheit wie auf »Abandoned Language«. Am Mikro bleibt Dälek ein Instantarrangeur der abwegigen Assoziation. Wenn er sein so sportliches wie angepisstes MCing über den Durst nach Wahrheit, die falschen Gesetze und überhaupt das Falsche ertönen lässt, dann wirkt er wie eine in das in die Ecke gedrängte Überwachungsauge der Schönheit. Auf der Suche nach dem Majestätischen für alle in einer gänzlich unmajestätischen Weltsituation.

LABEL: Ipecac

VERTRIEB: Southern

VÖ: 27.02.2007

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