Cyne

Der gute alte conscious Shit, er lebt! Cyne haben alles, was den smarten Rucksacker ausmacht. Bereits ihr Name kürzt als Akronym das sinnfällige Versprechen »Cultivating Your New Eyperience« ab, wobei man wohl ganz demokratisch bei der Namenssuche vor rund sieben Jahren auf einen Buchstaben pro Mitglied geachtet hat. Harmonisch ist auch die Arbeitsteilung des Quartetts aus Gainesville, Florida: Den beiden MCs Akin und Cise Star stehen die DJs und Produzenten Speck und Enoch zur Seite.

    So ausgestattet, ziehen Cyne seit dem Debütalbum »Time Being« ihre Runden durch die Indie-Landschaft: Ihre ersten EPs erschienen noch auf dem spanischen Electonica/Electro-Rap-Label Botanica Del Jibaro, bevor Cyne mit dem lässigen »Evolution Fight« bei der House-für-Shoegazer-Firma City Centre Offices Halt machten. Nach »Starship Utopia« im vergangenen Jahr beim Berliner Autoren-Label Project Mooncircle landen Cyne nun gar bei einem Label für Gitarren-Bands und Singer/ Songwriter: Hometapes.

    Egal. Cyne gehen strikt nach dem Handwerk der alten Schule vor. Ihr Schaden sollte das noch nie sein, dennoch kommen sie mit »Pretty Dark Things« einen Schritt voran. Dem Impetus, wonach guter Rap einfach mit Beats von der MPC, ausgewählten Samples und tighten Texten brillieren kann, folgen sie seit eh und je. Dieses Handwerk haben Cyne jetzt weiter ausgefeilt. Gleichzeitig wagen sie sich mehr. Besonders für die Samples haben sich Speck und Enoch an eine Schatzkiste gewagt: Die HiLife-Sammlung eines Freundes. So schlägt auf »The Runaway« das begnadete Rauschen einer Bassgitarre durch, die beiden MCs beweisen ihren Willen zum transzendierenden Texten, und für die unerwarteten Unterbrechungen sorgt eine gestopfte Trompete. Fast tribalistisch kommt das Trommel-Klöppeln auf »Calor« mit seinem Ruf-und-Antwort-Schema daher. Und auch gegen Ende hin, etwa in »Pianos on Fire«, knistern die Beats magnetisch.

    Womöglich nur ein Anfang einer Rückbesinnung auf die Pop-Geschichte Afrikas, wie man sie in diesen Tagen von Obamas Amtsantritt bringen kann. Denn ohne Pathos und ganz ohne Plakativität wird diese zu großen Teilen ja politisierte Musik des HiLife in das Rap-Universum der Gainesville Vier eingebettet. Cyne, die in einem Hardcore/DIY-Umfeld musiksozialisiert wurden, nehmen es nicht dogmatisch: Sie können es auch weiterhin mit jazzy Akkorden und Akkustikgitarren. Brilliant, ohne sich aufzudrängen.

LABEL: Hometapes / BB*ISLAND

VERTRIEB: Cargo Records

VÖ: 19.12.2008

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