Cursive Happy Hollow

Es kommt ihm vor wie gestern. Der Schweiß stand ihm auf der Stirn. An diesem Abend inmitten all dieser fremden Menschen. Als er nach längerer Zeit losließ und sich als Teil der Menge durch die Halle bewegte. Vor ihm ein vollbärtiger Mann, in ein Mikrofon schreiend, als ginge es um sein Leben, um ihrer aller Leben. Zu seiner Rechten eine junge Frau. Mit ihren braunen Locken wirkt sie zunächst ungefährlich. Mit dem Cello in der Hand jedoch ist sie bewaffnet, peitscht die Menge weiter an.

    Drei Jahre sind seitdem vergangen. Es war bisher nichts mehr wie an diesem Abend. »Ihr Cello fehlt mir«, dachte er, noch kurz bevor er »Flag & Family« zum dritten Mal hintereinander ungläubig anhörte. Die ersten 30 Sekunden, die ihn in dieses Stück hineinziehen. Bis die Welle bricht und zu allen Seiten explodiert. Dann wieder zurück zu »Dorothy At Forty« mit seinem bedrohlichen Rumpeln, den Stakkati, den dissonant geraspelten Gitarrensaiten. Er bemerkt die blecherne Jazztrompete, die so ganz anders wirkt als die mit vokaler Überschlagung vorgetragene Lyrik Kashers über das Manko der Tagträumerei. Dieser kurze Moment in »Retreat!«, in dem die Bläser wie den legeren Momenten des letzten Kante-Albums entsprungen klingen. Das poppige Piano in »At Conception«, das sich so angenehm an The Good Life anlehnt. »Wie so oft im Verlauf dieses Albums«, denkt er. »Aber es stört nicht«, murmelt er leise vor sich hin. Dann das besinnliche, dezente »Into The Fold«, das hintergründig doch so opulent instrumentiert ist. Das mit Engelszungen singt. Und mit der des Teufels!

    Er setzt die Kopfhörer ab und atmet tief ein. Beim Ausatmen ist er sich sicher: Der Schweiß wird wiederkommen. Das Fieber hat eingesetzt.

LABEL: Saddle Creek

VERTRIEB: Indigo

VÖ: 18.08.2006

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