Cummi Flu / Raz Ohara „Y“ / Review

Y changiert zwischen abstrahiertem Dub, an der kurzen Leine gehaltenem Jazz, angedeuteten Techno-Basslines und fragilen psychedelischen Klangtexturen.

Cummi Flu und Raz Ohara – die Kombination war schon in den späten Nullerjahren einigermaßen notorisch, damals unter dem Namen Raz Ohara and the Odd Ball Orchestra. Nein, mögen musste man diesen weinerlichen Afterhour-Klickerklacker-Folk nicht, sehr viele taten es aber dennoch. Nun haben der Däne Patrick Rasmussen alias Raz Ohara und der Belgier Oliver Doerell (inzwischen als Cummi Flu unterwegs) wieder zusammengefunden. Beide leben seit vielen Jahren in Berlin. Rasmussens frühe Raz Ohara-Inkarnation wurde um 2000 herum von seinem damaligen Label Kitty-Yo zum Beck-Epigonen der Post-Techno-Generation hochgejazzt. Oliver Doerell wiederum gehörte als Teil der Projekte Dictaphone und Swod zum Künstlerstamm des damals so stilprägenden Post-Techno-Electronica-Labels City Centre Offices. Und die jeweils letzten Alben der beiden sind auf dem Shitkatapult/Random Noize Musick-Ableger Albumlabel erschienen, die durchaus an den flackernden Elektronik- und Ambient-Jazz auf City Centre Offices anknüpften.

Raz Ohara wurde zum Beck-Epigonen der Post-Techno-Generation hochgejazzt.

Y klingt nun ein bisschen wie die Synthese dieser Soloalben. Die Sounds changieren zwischen abstrahiertem Dub, an der kurzen Leine gehaltenem Jazz, angedeuteten Techno-Basslines und zuweilen äußerst fragilen psychedelischen Klangtexturen. Vor allem steht Y aber für eine sehr artifizielle Weltmusik. Es klingt wie die Musik einer Region, die es gar nicht gibt. Jedenfalls nicht auf dieser Welt. Die zehn Stücke sind eine Melange aus afrikanischen, karibischen, nahöstlichen oder asiatischen Einflüssen. Meist bleibt unklar, in welcher Sprache Raz Ohara gerade singt. Seine zuweilen etwas neben die Spur gesetzte Stimmperformance hebt Y jedoch deutlich von jenem seelenlosen Weltmusik-Mischmasch ab, der früher gerne auf Weihnachtsmärkten unter die Leute gebracht wurde. Mancher Track wirkt hingegen genau wegen Raz Ohara und dessen fragiler Stimme wie die düstere Glitch-Version einer Putumayo-Compilation. Die instrumentalen Parts erinnern in manchen Augenblicken an Can, in anderen an Burnt Friedman und die Musik auf seinem Label Nonplace. Was Raz Oharas Beitrag als Sänger betrifft: An ihm dürften sich die Geister scheiden. Er überzeugt auf „Chanson de la lune“, auf den meisten anderen Stücken wünscht man sich indes, dass Cummi Flu und Raz Ohara ein rein instrumentales Album aufgenommen hätten.

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