Cullen Omori „The Diet“ / Review

Was Cullen Omori mit The Diet gern geschaffen hätte, weiß man nach Hören des Albums leider nicht so recht. Was er geschaffen hat schon. Der junge US-Amerikaner mimt den ausgebrannten Rockstar und sülzt im vertrauten Hall herum.

Da hat man es sich grad gemütlich gemacht, um Cullen Omoris zweites Soloalbum anzuhören, blumiges Hemd übergeworfen und den Blick in die nächstgelegene Ferne gerichtet – und dann? Klingt The Diet nach Tony Hawk’s Pro Skater auf der Playstation. Vor dem inneren Auge sieht man verpixelte Skater durch Wände glitchen und in Rampen steckenbleiben.

Fair enough – und doch überraschend: Bislang hatte Omori auf Solopfaden schließlich wenig mit dem runter gewirtschafteten Garagensound am Hut, den er über drei Alben mit seiner Ex-Band Smith Westerns spielte. Schon bei Omoris Debüt New Misery fehlte der Dreck in den Zwischenräumen beinahe perfekter Popsongs, der die Band ausmachte. The Diet zeigt nun, dass von deren Magie tatsächlich wenig mehr übrig geblieben ist als die Vermengung schemenhafter Sounds und ein omnipräsenter Hall. Was will diese Platte?, fragt man sich unweigerlich: Naive Retro-Duselei sein oder zeitgeistiger Pop-Rock? Ist „Millennial Geishas“ die erste Ode an Instagram-Models als virtuelle Musen dieser Tage oder doch der 64-Bit-Soundtrack für verlorene Nachmittage?

Bisschen reverb, bisschen Sülze, fertig ist die Katharsis.

Omori zum klischeehaften Produkt seiner Einflüsse zu stilisieren, wäre aber zu einfach. Vielmehr wirkt es als suche Omori auf The Diet, nachdem seine Band an Bruderpaar-Stress Gallagher’schen Ausmaßes zerbrach, verzweifelt nach etwas Eigenem. Das Problem: Nadeln in diesem Heuhaufen, irgendwelche Spitzen im Einerlei des vorgestanzten Indie-Sounds fehlen fast gänzlich. „Queen“ hat Bock, mehr zu sein, versprüht schüchtern etwas Grandeur mit kurzer Halbwertszeit, disqualifiziert sich aber spätestens beim Betrachten des Textes: „Girl don’t fuck me / If it’s just because you’re lonely“. Die Formel ist einfach: Bisschen Reverb, bisschen Sülze, fertig ist die Katharsis. Immerhin: Omori ist schon mit 28 gescheiterter Rockstar und augenscheinlich in der Krise – und wenigstens darin dem jüngeren Gallagher um rund zehn Jahre voraus. Kann also alles noch werden.

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