Grenzen? Ausloten, hinterfragen und bestenfalls gleich überwinden! Die 21. Ausgabe des CTM Festivals steht vor der Tür – SPEX präsentiert.

Das CTM Festival bietet jedes Jahr aufs Neue zehn Tage Hochleistungssport für die Gehirnwindungen. Dabei geht der Weg in der Regel zuerst durch die Gehörgänge. Für seine 21. Ausgabe hat das Berliner Traditionsfestival nun den Begriff „Liminal“ als Oberthema gewählt, zu Deutsch also in etwa alles, was mit Schwellen und deren Überschreitung zu tun hat. Und das scheint in zweierlei Hinsicht mehr als notwendig: Einerseits, weil an der Grenze von einem zum nächsten Jahrzehnt kein Thema dermaßen den Diskurs bestimmt, wie das von Grenzen selbst. Und andererseits, weil musikalisch ebensolche ausgelotet, hinterfragt und im besten Fall auch noch überwunden werden. 

Die Geigerzählersinfonie des Jahres: Hildur Guðnadóttir stellt ihren Soundtrack für die Serie „Chernobyl“ live vor (Foto: BBC/Hildur Guðnadóttir).

Vom 24. Januar bis 2. Februar geht es in verschiedenen Spielstätten – darunter das Berghain, HAU 1 und 2, Schwuz, Festsaal Kreuzberg und die Griessmuehle – also um Transgression in jedem erdenklichen Sinne. Jacob Kirkegaard beispielsweise stellt mit Opus Morus eine Platte vor, die der dänische Sound-Artist am toten Leib aufgenommen hat. Buchstäblich: Das mehr als massive Werk entstand aus Kontaktmikroaufnahmen in einer Leichenhalle. Igitt? I wo! Der Live-Auftritt reiht sich in eine Reihe von anderen ein, die ebenfalls sehr existenzialistische Fragen stellen: Hildur Guðnadóttir stellt ihren Soundtrack für die Serie Chernobyl vor, Raja Kirik untersuchen die Geschichte von Gewalt, Unterdrückung und Widerstand auf der Insel Java, Jasmine Guffond und Ilan Katin durchleuchten digitale Überwachungsmechanismen und der Norweger Deathprod stellt in der Betonhalle unter dem Silent Green (wir erinnern uns, ein ehemaliges Krematorium) seine Vision eines musikalischen, antifaschistischen Rituals vor.

Aber keine Sorge: Nicht nur die Grenze zu Tod und Zerstörung, sondern auch die des Dancefloor werden überschritten. Auftragswerke kommen unter anderem von Gabber Modus Operandi aus Bali, die in Berlin ansässige Produzentin und DJ Nene H schließt sich mit dem georgischen Chor Ensemble Basiani zusammen und Berghain-Resident Fiedel präsentiert zusammen mit dem Performance-Künstler Frédéric Gies das Projekt „Dance Is Ancient“. Dazu gesellt sich ein Club-Programm, das von Afrodeutsche über Cera Khin und VTSS hin zu den afro-portugiesischen Grooves von DJ Firmeza sowie Live-Gigs von alten Held_innen wie Squarepusher reicht, der sein neues Album Be Up A Hello live vorstellt. Wenn da keine Entgrenzung garantiert ist, wissen wir auch nicht weiter.

Weitere Infos und Karten gibt es hier.

SPEX präsentiert CTM Festival
24.1. – 2.2. Berlin – verschiedene Spielstätten