Crystal Antlers Crystal Antlers

Ohne es besser zu wissen, könnte man denken, die Crystal Antlers wären mit einem Kontrabass unterwegs, so voluminös swingt sich ihr Bassist Jonny Bell in »Until the Sun Dies (Part 2)« die Tonleiter hinunter. Das Eröffnungsstück steckt das Revier ab, welches die Kalifornier im Verlauf ihrer selbstbetitelten EP beackern: Unter Feedbackerzeugung jault die Garage-Gitarre los und führt eine Rhythmussektion aus Bassist, Drummer und Percussionist durch ein hypernervöses Auf- und wildes Entladen von Energie. Sechziger Psych-Orgeln  verleihen dem rasanten Geschehen einen spacigen Glanz, in »Vexation« gesellt sich noch ein schrottiges Saxophonkrächzen dazu.

    Die infernalische Ballade »A Thousand Eyes« gibt dem ansonsten frenetisch-punkigen Gesang von Bell Gelegenheit, auch mal krächzfrei ins Falsett zu wandern, in der Mitte des Stücks überraschen Crystal Antlers dann mit mehrstimmigem, träumerischem Singen über einem flotten Bongo-Marsch. Das klingt dermaßen sternenverhangen, dass man sich weniger in einem rauchigen Kellerclub als einer von Lichterketten erleuchteten Lounge wähnt. Der finale, berauschend wuchtige  Siebenminüter »Parting Song for the Torn Sky« lässt mit breiten Strömen aus Feedbackdröhnen aber wieder klar auf Ersteres schließen.

    Ein Lob sollte an dieser Stelle in Richtung des Produzenten Ikey Owens gehen: Er schafft es durch verschiedene Grade der Verzerrung die einzelnen Instrumente so voneinander zu differenzieren, dass die Aufnahmen trotz allem Knistern klarer und weniger versumpft klingen als die von kontemporären Psychrockern wie Comets On Fire oder Wooden Shjips. Allein über diesen räumlichen Sound hätte sich die Band schon fast definieren können – dass auch das Songmaterial überzeugt gibt erst recht Grund zur Vorfreude auf das 2009 erscheinende Album.

Anm. d. Red.: Der Autor betreibt an anderer Stelle das Musikblog »Auf ein Neues«.

LABEL: Touch And Go

VERTRIEB: Soulfood

VÖ: 17.10.2008

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