Nach zwei Monaten Kontaktsperre und sozialer Isolation in der Covid-Pandemie wird mit Nachdruck an der Rückkehr zur sogenannten Normalität gearbeitet. Aber was heißt „back to normal“ eigentlich? Und wollen wir das überhaupt? 

Es ist ein zäher und harter Weg durch die Covid-19-Krise. Viele Menschen hat die Pandemie bereits das Leben gekostet, die Arbeitslosenzahlen sind global so hoch wie nie, die Perspektive für den Kulturbetrieb sieht mau aus. In schweren Zeiten stellt man sich auf noch schwerere Zeiten ein.

Spex auf Distanz
SPEX auf Distanz bleibt SPEX im Dialog (Bild: Redaktion).

Gleichzeitig aber scheint sich das gesellschaftliche Klima zwei Monate nach Beginn der Kontaktsperren und Ausgangsbeschränkungen zu verändern. Allerorts werden Maßnahmen gelockert, mit Nachdruck wird an der Rückkehr zur sogenannten Normalität gearbeitet. Aber was heißt „back to normal” eigentlich in diesem Kontext? Und wollen wir das überhaupt? Um diese Fragen dreht sich die neue Folge des SPEX-Podcast. Und – so viel darf verraten sein – in einer Sache ist sich die Redaktion einig: Das Hauptproblem ist nicht allein das Virus, das sich hervorragend othern lässt. Vielmehr wirkt die aktuelle Pandemie wie eine Lupe, die schon lange bestehende gesellschaftliche und politische Missstände verstärkt und vergrößert.

Kurz schien es deshalb auch, als könnte die Krise in Deutschland neue Diskurse anstoßen. Über ein bedingungsloses Grundeinkommen, zum Beispiel, oder die an vielen Stellen nachzuholende Digitalisierung. Stattdessen werden Arbeiter_innen in den prekären Verhältnissen des Gesundheitssystem mit einem „Bonus” abgespeist, die Big-Tech-Größen aus dem Silicon Valley reiben sich ob der boomenden Digitalsphären die Hände und diktieren Bedingungen für Tracing-Apps. Aufbruchstimmung kippt zunehmend in Erschöpfung. Ist ja auch kein Wunder, wenn die Freiberuflerin neben ihrem Job zu Hause drei Kinder schaukelt oder die Internetverbindung beim konspirativen Treffen versagt. Zum lautstarken Protest auf den Straßen und vor dem Reichstagsgebäude versammeln sich derweil nur diejenigen, die das eigene Ego über alles stellen können. Wie kann in dieser neuen Welt der Distanz überhaupt Solidarität gelebt werden?

Die SPEX-Redaktion diskutiert socially distanced an fünf Rechnern zwischen Berlin, Hamburg und der südwestdeutschen Provinz über linke Utopien, mangelnde Vorstellungskraft und die große Frage nach dem Wie-geht’s-weiter. Natürlich ohne Masterplan, aber mit ein paar Ideen und Gedanken zur Zukunft. Und der Antwort auf die Frage, warum man in diesen Tagen statt zu Camus’ Die Pest lieber zu den Science-Fiction-Geschichten von Octavia E. Butler greifen sollte.

Mit dabei in der aktuellen Folge: Autorin Berit Glanz (Pixeltänzer) die im „Gedanken zur Zeit” beweist, dass sie trotz Corona-Maßnahmen sehr wohl am Strand und im Sand sitzen kann.