Cosima von Bonin in Köln

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EXPONAT: Cosima von Bonin MISSY MISDEMEANOUR (THE VOMITING WHITE CHICK, RILEY [LOOP # 5], MVO’S VOODOO BEAT & MVO’S ROCKET BLAST BEAT), 2010. Installation view, Arnolfini, Bristol 2011. Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne/Berlin

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   Im Zeitgeist des Kosten-Nutzen-Optimierens, des 24/7-Arbeitszyklus, fungiert die Faulheit als dessen Antithese. Plätze mit einem anderen Lebensrhythmus, wie Teile Berlins, werden zu Slacker-Enklaven; die vermeintliche Mitte der Gesellschaft unterstellt, um Abgrenzung bemüht, den Rändern fehlende Leistungsbereitschaft. Doch alle eint, dass ihnen in den letzten Jahrzehnten immer mehr Handgriffe abgenommen wurden . Die vor allem aus asiatischen Restaurants bekannte Drehscheibe Lazy Susan, auf der das Essen bequem erreichbar auf dem Tisch rotiert, ist einer von Tausenden Ausdrücken dieser Entwicklung.

Für die Kölner Konzeptkünstlerin COSIMA VON BONIN bildet sie deshalb ein Zentrum ihrer von Spex präsentierten Ausstellung CUT! CUT! CUT! im Museum Ludwig in ihrer Heimatstadt. 70 Werke werden hier vom Samstag, dem 5. November, bis zum 13. Mai 2012 gezeigt. Vieles davon ist popreferenziell aufgeladen, manches scheint absurd, fast alles in seinen Maßen überdimensioniert. Auf der Susan sitzt etwa der riesige PURPLE SLOTH RABBIT. Nach drei vorangegangenen Ausstellungen in Rotterdam, Bristol und Genf wird die als immer neu arrangierte Loops angelegte Lazy Susan-Reihe nun in CUT! CUT! CUT! zu Ende geführt.

Bemerkenswert ist aber vor allem der Crossover-Ansatz der von Katia Baudin kuratierten Schau: Im Auftrag von Bonins sind zahlreiche andere Künstler mit dem Gezeigten in einen Dialog getreten. Moritz von Oswald hat Musik komponiert, Dirk von Lowtzow eine fiktive Interviewreihe geschrieben und Mark von Schlegell gar die fünf-episodische Sci-Fi-Erzählung Starlite, die wiederum von Frances Scholz verfilmt wurde. Auch das Rahmenprogramm (s. unten) ist reichhaltig und mit den einzelnen KollaborateurInnen sowie weiteren Namenhaften (Andreas Dorau, René Pollesch, Wolfgang Voigt u.a.) besetzt. Im Rahmen der Ausstellung werden zudem monatliche Führungen durch das Stockhausen Studio für Elektronische Musik des WDR organisiert.

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EXPONATE: Cosima von Bonin TOTAL PRODUCE (MORALITY), 2010 / PRIVATO, 2010. Courtesy Galerie Daniel Buchholz, Cologne/Berlin

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COSIMA VON BONIN CUT! CUT! CUT! Rahmenprogramm:
04.11.11 Eröffnung (19 Uhr) mit Lesung California Suite Rip Off von René Pollesch und Dirk von Lowtzow und Konzert Dark Eletronics & Sequences mit Max Loderbauer und Moritz von Oswald. Im Anschluss, im King Georg: Elektronisches Dubset mit Moritz von Oswald, DJ Set mit Viola Klein & Produzentin
25.11.11 Vortrag (19 Uhr) Cosima von Bonins Gesamtkunstwerk von Katia Baudin, Katalog-Signierstunde und Konzert von Andreas Dorau
17.01.12 Filmprogramm und Podiumdiskussion (19 Uhr) Jacques Tati und der Modernismus
14.02.12 Podiumsdiskussion (19 Uhr) Cosima von Bonins Köln der 90er Jahre – eine Märchenstunde
01.03.12 Filmprogramm (19:30 Uhr) zu George A. Romero und Konzert Rückverzauberung von Wolfgang Voigt
19.04.12 Uraufführung (20 Uhr) der fünften und letzten Episode von Frances Scholz‘ Starlite sowie Podiumsdiskussion mit Frances Scholz, Mark von Schlegell, Kasper König und anschließendem Konzert
10.05.12 Finissage (19 Uhr) Vortrag von Friedrich W. Heubach, Konzert von Phantom Ghost

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