Conner Youngblood „Cheyenne“ / Review

Conner Youngblood ist Multiinstrumentalist, über dreißig Instrumente spielt der 28-jährige aus Dallas. Auf seinem Debüt Cheyenne stellt er genau das zur Schau – allerdings auf Kosten von Texten und Dramatik.

Schon das Cover zeigt: Mit Cheyenne geht es auf eine Reise in die Natur. Die dreizehn Songs des Albums führen an Conner Youngbloods Seite durch Finnland, Schweden und die USA – und dabei nah heran an seine persönlichen Erfahrungen. Die er aber scheinbar doch nicht so recht teilen möchte. Denn mit seiner klaren, hohen Stimme, die stellenweise an die der Britin Birdy erinnert, nuschelt er seine Worte derart dahin, dass der Versuch sie zu verstehen einem physischen Kraftakt gleichkommt. Frustration stellt sich besonders dann ein, wenn Stücke wie „My Brother’s Brother“ das dumpfe Gefühl aufkommen lassen, Youngblood ahme hiermit bemüht, doch ungekonnt Bob Dylan nach.

Ein Album übers Abschalten zum Abschalten.

Dass es sich anders als bei Dylan auf Cheyenne nicht wirklich lohnt, genauer hinzuhören, lassen die wenigen deutlichen, pseudopoetischen Textzeilen wie „There are two sides to every circle / The upside and the down“ befürchten. Ergo: Kein Literaturnobelpreis für Youngblood. Man begnügt sich eher damit, Youngbloods Gesang als weitere Klangspur wahrzunehmen, die neben oder vielmehr hinter den vielen Instrumenten liegt. Dabei ist es gerade diese Vielfalt, die Cheyenne von der gemeinen Singer-Songwriter-Platte abhebt: Youngblood formt darauf seine schier grenzenlose Klangpalette zur harmonischen Einheit, atmosphärische Klänge werden durch einschüchternde Drones unterbrochen und von imposantem Dröhnen begradigt, asiatisches und orientalisches Saitenspiel trifft auf märchenhafte Streicher und sparsame Elektrobeats.

Cheyenne bleibt jedoch bloße Begleitung für den gelegentlichen Selbstfindungstrip aufs Land, ein Album übers Abschalten zum Abschalten. Denn in ihrer Vielschichtigkeit und Komplexität klingen die Songs dann doch ziemlich gleich, selbst die spannungsvollen Überraschungsmomente wiederholen sich stetig. Letztlich vertont Youngblood seine Reise mit 13 Stationen also ziemlich realitätsnah: irgendwie spannend, voller neuer Eindrücke, guten und schlechten Zeiten – aber am Ende doch ganz schön ermüdend.

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