Mit Congo erzählt der kongolesische Choreograf Faustin Linyekula die Geschichte des Kongos als Theaterstück. Der Abend ist eine Verbindung aus Musik und Geschichte – von SPEX präsentiert.

Nachdem Faustin Linyekula sein Literatur- und Theaterwissenschaftsstudium im Nordosten Kongos wegen der Schließung der Universitäten beenden musste, zog er 1993 vorübergehend nach Nairobi. Vier Jahre später gründete er dort die erste Kompanie im zeitgenössischen Tanz und weitere vier Jahre später nach seiner Rückkehr in den Kongo die Studios Kabako in Kinshasa. Dort werden Trainingsprogramme für Tanz und Theater angeboten und Recherche- und Produktionsprozesse unterstützt.

Erinnerungen verhandeln und Auslöschung bekämpfen: „Congo” (Foto: Agathe Poupeney).

Linyekula unterrichtet regelmäßig in Afrika, Europa und den Vereinigten Staaten. In seinen Inszenierungen thematisiert er das Erbe jahrzehntelanger Kriege, Terror, Angst und des Zusammenbruchs der Wirtschaft. So auch in dem Theaterstück Congo.

Für die Inszenierung adaptierte er einen Text des französischen Autors Éric Vuillard, der in seinem Buch Congo von 2012 schreibt: „Den Kongo, den gibt es nicht. Da ist nur ein Strom und ein großer Wald. Das macht achtzig Mal Belgien, und sogar achtzig Mal nichts ergibt irgendwann etwas.”

In seinem Stück spürt Linyekula der Konstruktion des Kongos nach, die auf die sogenannte Westafrika-Konferenz (auch Kongo-Konferenz) zurückgeht. Auf Einladung Bismarcks beschlossen im Winter 1884/85 Delegierte der damaligen europäischen Großmächte in Berlin die Aufteilung des afrikanischen Kontinents in Kolonien. Die Kon­fe­renz bildete den Höhe­punkt eines bereits Jahrhunderte andauernden Pro­zes­ses: die euro­päi­sche An­eig­nung Afri­kas.

Neben Linyekula agieren die Schauspieler_innen Daddy Moanda Kamono und Pasco Losanganya auf der Bühne. Songs aus der Region sowie aufgezeichnete Field Recordings von Plantagen bilden ein wesentliches Element der Inszenierung. Linyekulas Arbeiten verhandeln Erinnerungen und bekämpfen ihre Auslöschung. Auf intensive und kraftvolle Weise spüren sie die Folgen von Jahrzehnten der Kriege und Gewalt auf.

Weitere Infos und Tickets gibt es hier.

SPEX präsentiert Congo 
4.12. – 6.12 Berlin – Hau 1