Diverse Coming Home compiled By Nouvelle Vague

Heiteres Filmeraten! Was Marc Collin, hier die repräsentative Hälfte von Nouvelle Vague, auf dieser zweiten Ausgabe der »Coming Home«-Reihe versammelt hat, ist ausschließlich Filmmusik. Musik aus Streifen der klassischen Epoche, jener für den Autorenfilm wie der für große Filmmusiken, für Orchesterleiter und Easy-Listening-Komponisten wie Ennio Morricone oder Henry Mancini, sprich die sechziger und siebziger Jahre.
    Morricone ist tatsächlich vertreten (mit »Two Seasons Of Life«), Mancini hat es nicht geschafft, was daran liegen mag, dass sich Collin hauptsächlich auf den europäischen, genauer: auf den französischen und italienischen Film konzentriert hat. So gibt es Musik von Armando Trovaioli, von Piero Umiliani oder Alain Goraguer. Namen, von denen vielleicht bislang nur Cineasten und Score-Sammler wussten. Insgesamt eine höchst geschmackvolle und nur selten geschmäcklerische Angelegenheit, diese CD mit über einer Stunde Musik. Was mit den Bezügen, die Nouvelle Vague auf ihrer letzten Platte, die wie ihr Debüt nur aus Coverversionen bestand, herstellten und aufzeigten, auch zu erwarten war.
    Überraschungen, Auffälligkeiten gibt es natürlich trotzdem. So beginnt die Platte mit einem quälenden, fragwürdigen Saxofonmonstrum, das wohl das Titelthema von Bertoluccis »Last Tango In Paris« gewesen sein soll. Bei »Bambole« von Umiliani fragt man sich nicht nur, wie der Softporno heißen mag, zu dem diese Musik geschrieben wurde. Man rätselt auch, ob das bekannte »Mannah Mannah« aus der Muppet Show aus dieser Musik entstand oder ob die Ähnlichkeiten rein zufälliger Natur sind. Nächster Höhepunkt ist das Stück von Serge Gainsbourg, mithin dem einzigen mit Text (zum Schluss kommt noch ein Duett): »Requiem pour un con« setzt mit seinem Groove nämlich dann ein, wenn man sich zuvor durch drei bis fünf Streicherbetten müde geräkelt hat. Und schließlich das Wiegenlied am Schluss, »La Petite Fille de la Mer«: wunderschön, zugleich tragisch und sanft. Kaum zu glauben, dass es von Vangelis sein soll, der sonst für merkwürdige Boxkampf-Eröffnungsmusik berüchtigt ist.
    Fazit: Die Platte ist weitaus besser als andere Kompilationen, die unter dem Easy-Listening-Banner dahergesegelt kamen. Ob man diese Musik wirklich braucht, ist eine andere Frage. Als Einführung in die Materie Filmmusik oder als schimmernder Hintergrund für einen langsamen Nachmittag taugt die Kompilation allemal. Und für die Nerds winken Distinktionsgewinne beim Erraten.

LABEL: Stereo Deluxe

VERTRIEB: Edel

VÖ: 27.04.2007

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